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Dōjō

Dōjō

Dōjō (jap. 道場, dt. Ort des Weges) bezeichnet einen Trainingsraum für verschiedene japanische Kampfkünste wie z.B. Karate, Jūdō oder Aikidō. Im übertragenen Sinne steht es auch für die Gemeinschaft der dort Übenden. Im Zen-Buddhismus wird in einem Dojo Zazen (Meditation) geübt. Dieser Dōjō wird in diesem Zusammenhang auch Zendō (禅堂) genannt. Auch wenn in der westlichen Welt ein Dōjō meistens eine normale Sporthalle ist, so gelten für die Sportler und die Gäste in einem Dōjō bestimmte Verhaltensregeln: Bei Betreten des Dōjō zieht man die Schuhe aus, damit der Boden nicht mit Straßenschmutz verunreinigt wird. Er wird nur nach Aufforderung durch den Sensei betreten. Betritt man den Dōjō, verbeugt man sich in Richtung Shōmen. Man zeigt mit dieser Verbeugung, dass man sich seinen Regeln (Reishiki) unterwirft. Außerdem ist Lärm hier unerwünscht, da ein Dōjō ein Ort der Ruhe sein soll, und die Übenden nicht gestört werden sollen. Kategorie:Kampfkunst (Japan)

Japanische Sprache

Japanisch (jap. 日本語 nihongo) ist die Amtssprache Japans. Der Language Code nach ISO 639 ist ja bzw. jpn.

Verbreitung

Mit etwa 127 Mio. Sprechern und einem Anteil an der Weltbevölkerung von 2,4% steht Japanisch in der Liste der am häufigsten gesprochenen Sprachen auf Platz 8. Außer in Japan selbst wird es hauptsächlich in den USA (ca. 200.000 Sprecher auf dem nordamerikanischen Festland, ca. 220.000 Sprecher auf Hawaii) und in Südamerika (ca. 380.000 Sprecher, vor allem in Brasilien) gesprochen. Dies ist vor allem auf drei große Auswanderungswellen von Ende des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts zurückzuführen. Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 4,9% aller Web-Seiten auf Japanisch sind (Platz 4 hinter Englisch, Deutsch und Französisch).

Herkunft

Aus den japanischen Inseln sind nur drei einheimische Sprachen bekannt: Japanisch, Ainu in Hokkaido und die Sprachen von Ryūkyū (Okinawa), die mit dem Japanischen relativ nahe verwandt ist; beide werden aus dem Proto-Japonisch hergeleitet. Dessen nächste (nicht: nahe) Verwandte sind vermutlich Sprachen in Korea, besonders das ausgestorbene Alt-Koguryo im Norden der Halbinsel. Die Ainu-Sprache, die sich vom Japanischen stark unterscheidet, leiten viele Forscher von den Trägern der mesolithischen und neolithischen Jōmon-Kultur (1896) ab. Der genaue Ursprung der japanischen Sprache ist jedoch bis heute unklar, eindeutig nachgewiesen werden kann eine Sprachverwandtschaft bisher nur zu den oben erwähnten Ryūkyū-Sprachen (sog. "Okinawa-Dialekte des Japanischen"). Eine sehr lange Periode der schriftlosen Isolierung (von mehreren tausend Jahren v. Chr. bis ca. 300 n. Chr.) hat die altjapanische Sprache weit von allen eventuellen Ursprüngen entfernt. Während der Jōmon-Zeit (縄文時代) wurde im westlichen Teil Japans vermutlich eine austronesische Sprache gesprochen, die wohl mit den Inselsprachen Melanesiens und Mikronesiens verwandt gewesen sein dürfte. Zu Beginn der Yayoi-Zeit (弥生時代) um etwa 300 v. Chr. gelangten die Technik des Reisanbaus und die Verwendung von Bronze von Südkorea nach Nord-Kyūshū und verbreiteten sich von dort über das gesamte westliche Japan. Zusammen mit der koreanischen Kultur -- eventuell aber auch schon merklich früher -- kam wohl auch die damalige Form einer oder mehrerer koreanischer Sprachen nach Japan, wodurch sich altaische (sibirisch-türkische) und austronesische Sprachelemente teilweise schon in Korea und später auch in Japan vermischten. Im 3./4. Jahrhundert brachte eine neue Welle koreanischer Einwanderer die Japaner in Kontakt mit der in Korea schon länger einflussreichen chinesischen Kultur. Ab dem 4./5. Jahrhundert besuchten japanische Mönche für buddhistische Studien das Kaiserreich China und nahmen die chinesischen Schriftzeichen und andere Kulturgüter mit nach Japan. Dort vermischten sich diese Einflüsse, ausgehend von den religiösen Zentren, mit der lokalen Kultur.

Sprachaufbau

Die japanische Sprache ist in ihrer Entstehung etwas weitgehend Eigenständiges. Zwar entspricht ihre Grammatik – ebenso wie z. B. die des Koreanischen – dem Altaischen (Agglutination, Wortstellung), die Aussprache ist jedoch typisch austronesisch (wenig Konsonantenverdoppelungen, nur ein stimmhafter Endkonsonant "-n"), und im Wortschatz lassen sich kaum Ähnlichkeiten mit dem Koreanischen feststellen, sieht man von Begriffen aus dem landwirtschaftlichen Bereich und in beiden Sprachen vorhandenen chinesischen Lehnwörtern ab. Altaische Ausspracheelemente wie die Vokalharmonie wurden im Laufe der Zeit immer mehr zurückgedrängt. Das japanische Schriftsystem verwendet die chinesischen Schriftzeichen (漢字 Kanji), sowie zwei davon abgeleitete Silbenschriften, Hiragana (für den indigenen Wortschatz) und Katakana (für neuere Lehnwörter). Mit der Schrift wurden auch viele chinesische Begriffe in das Japanische übernommen. Doch in Aussprache und Grammatik unterscheiden sich Japanisch und Chinesisch grundlegend: Anders als die chinesischen Sprachen kennt das Japanische keine Töne und auch weniger Konsonanten, daher ist der Silbenvorrat des Japanischen mit rund 150 Silben im Vergleich zu den rund 4000 des Chinesischen viel geringer. In der Grammatik ist Japanisch, im Gegensatz zu den isolierenden chinesischen Sprachen, eine agglutinierende Sprache, besitzt also eine Vielzahl von grammatischen Suffixen – so genannten Partikeln und Funktionalnomen –, die eine vergleichbare Funktion wie die Flexionsformen, Präpositionen und Konjunktionen der europäischen Sprachen haben. Noch im heutigen Japanisch werden „altjapanische“ und chinesische Elemente voneinander abgegrenzt. Bei den Schriftzeichen wird zwischen 音読み (On-yomi) und 訓読み (Kun-yomi) unterschieden. On-yomi ist die sinojapanische Lesung, eine Übertragung der chinesischen Lesung (meist aus Sung- oder Tangzeit) in den Lautvorrat des Japanischen, bei der Kun-yomi wurde ein „urjapanisches“ Wort mit der Bedeutung des Schriftzeichens verbunden. Einige Lautfiguren finden sich nur in jeweils einem der beiden Bereiche. Aus dem Chinesischen stammende japanische Verben und Adjektive, die wie alle chinesischen Wörter nicht flektierbar sind, funktionieren auch grammatikalisch anders als ihre flektierbaren „urjapanischen“ Gegenstücke.

Grammatik

Die Satzstellung des Japanischen ist SOP, Subjekt - Objekt - Prädikat. Das heißt, das Verb steht immer am Ende des Satzes bzw. Nebensatzes. Das Japanische ist eine agglutinierende Sprache. Grammatische Formen werden gebildet, in dem das Verbende verändert wird, andere Satzteile werden durch Partikel verändert.

Nomen

Nomen werden im Japanischen nicht dekliniert. Japanisch kennt im Gegensatz zum Deutschen auch keinen grammatischen Genus (Geschlecht), keine Artikel, keinen Plural (Mehrzahl) und keinen Kasus (Fall).

Partikel

Die Funktion von Fällen und Präpositionen in der deutschen Sprache übernehmen Partikel, die an das Nomen angefügt werden. Eine zweite Gruppe von Partikeln wird an Sätze angefügt und dient als Satzverbinder.

Numerus

Bei japanischen Nomen ist der Numerus nicht festgelegt, mit geta (Sandale) kann eine einzelne Sandale, ein Paar, ein ganzes Regal voll oder Sandalen im Allgemeinen gemeint sein. Wenn es notwendig ist, die Menge näher zu bestimmen, muss dies durch zusätzliche Bestimmungen im Satz geschehen, z.B. ’’takusan’’ = "viele". Weiterhin gibt es Suffixe, mit denen sich der Plural bei Menschen ausdrücken läßt: -tachi (höflicher: -gata, informell: -ra)

Adjektive

Das Japanische kennt zwei Formen von Adjektiven: na-Adjektive (keiyōshi 形容詞) und i-Adjektive (keiyōdōshi 形容動詞). na-Adjektive sind nicht konjugierbar und werden mit Nomen durch den Partikel "na" verbunden. Sie können auch mit dem Verb "da" als Partizip verwendet werden. i-Adjektive lassen sich konjugieren und werden im Satz wie Verben verwendet.

Personalpronomen

Das historische Japanisch kennt genaugenommen gar keine Personalpronomen. Noch heute ist es üblich, von sich selbst mit dem eigenen Namen oder der Stellung gegenüber dem Gesprächspartner zu reden. Genauso kann man den Gesprächspartner im Satz mit dessen Namen bezeichnen. Für die Selbstbezeichnung gibt es eine Reihe von Ausdrücken, die von "selbst" oder "persönlich" abgeleitet sind. Eines dieser Wörter ist watakushi (私; wörtlich "privat") das die höchste Höflichkeitsstufe im modernen Japanisch für "ich" darstellt und eine Reihe von informellen Verkürzungen kennt (watashi; atashi; ashi usw.). boku (僕) und ore (俺) sind weitere informellere Wörter, die "ich" bedeuten, dazu kommen dialektale Ausdrücke. Wo im Deutschen immer das Personalpronom nötig ist, um zu bezeichnen, um wen es geht, wird es im Japanischen eher weggelassen und aus dem Kontext geschlossen, um wen es eigentlich geht. Was in Japanisch-Lehrbüchern als Personalpronomen aufgeführt wird, hat in der japanischen Umgangssprache leider ganz andere Verwendungen. Mit kare (彼, höflicher kareshi 彼氏) und kanojo 彼女 ist immer der Freund und meistens die Freundin gemeint. Ob jemand Single ist, fragt man also mit "kare / kanojo ga imasu ka?" anata あなた Ist das einzige im aktuellen Japanisch verwendete Wort mit der Bedeutung "du" das in neutralen Zusammenhängen als "Sie" gebraucht werden kann z.B. in Hinweisschildern und Durchsagen: "Bitte benutzen Sie die Yamanote-Linie bis zur Station Shinjuku und steigen Sie dann...". Es stammt von einer gleichnamigen Anrede von Frauen für ihre Ehemänner. Anreden von unbekannten oder höhergestellten Erwachsenen mit anata ist ausgeschlossen! Weiterhin ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass ehemalige sehr höfliche Sie-Wörter in der Geschichte der Sprache oft unhöflich geworden sind. Beispiele dafür sind:
- kimi 君 ursprünglich Bezeichnung für den Tenno (ookimi 大君) in der Edo-Periode, jetzt Ausdruck für "du" in der Männersprache
- omae お前 (ehrenhafter Gegenüber) früher Sie, jetzt "hey du!" (Ausruf, unhöflich) oder im vertrauten Zusammenhang ein einfaches "du" (ebenfalls Männersprache)
- kisama 貴様 (Ehrenwerter hochverehrter [Herr]) bedeutet in heutiger Verwendung ironischerweise "du Arschloch"

Lehnwörter

Seit dem 3. Jahrhundert übernahm das Japanische zusammen mit der chinesischen Schrift zahlreiche chinesische Lehnwörter, die jedoch an die japanische Aussprache angepasst wurden. Ein großer Teil des heutigen japanischen Wortschatzes besteht aus diesen angeglichenen Begriffen. Als portugiesische Jesuiten im 16. Jahrhundert in Japan eine kurzlebige christliche Mission einrichteten, übernahm die japanische Sprache einige Wörter aus dem Portugiesischen. Dazu gehören beispielsweise パン pan (Brot) und テンプラ tempura (in Backteig frittiertes Gemüse und Fisch, von lateinisch tempora, [Fasten]zeiten). Zu dieser Zeit wurden diese Wörter in chinesischen Schriftzeichen phonetisch wiedergegeben, z.B. Kaffee = 珈琲 kōhi-, mittlerweile werden die praktischeren Silbenschriften dafür verwendet. Seit der Öffnung zum Westen 1853 und dem Beginn der Meiji-Zeit 1868 sind die Japaner mit einer Vielzahl westlicher Konzepte konfrontiert worden, für die neue Wörter geschaffen werden mussten. Als erste Möglichkeit wurden Begriffe in chinesischen Schriftzeichen neu geschaffen, z.B. minshushugi 民主主義 = Demokratie. (Interessanterweise finden sich diese Wörter heutzutage vielfach als japanische Lehnwörter im Chinesischen.) Andere Wörter wurden phonetisch übertragen, ihr Anteil an der japanischen Sprache beträgt mittlerweile ca. 10-15% und variiert je nach Sachgebiet stark. Die Aussprache in lateinischer Schrift geschriebener englischer Wörter ist für Japaner oft nur schwer nachzuvollziehen, zumal andere europäische Sprachen wie Französisch, Deutsch, Spanisch die lateinischen Buchstaben wieder anders lesen und damit die Schwierigkeiten vergrößern. Um die Lesung zu vereinheitlichen, werden phonetische Lehnwörter daher im Japanischen in der Silbenschrift Katakana wiedergegeben. Bei der Übertragung ins Japanische werden dabei allerdings oft die Laute verändert, so unterscheidet das japanische nicht zwischen l und r. Dass es sich bei タワー tawā um einen tower = Turm handelt und bei タオル taoru um ein towel illustriert die Schwierigkeiten vielleicht. Zu lange Begriffe werden dabei zusätzlich auf „japanische Weise” abgekürzt. So ist aus dem englischen Begriff personal computer durch Verkürzung und Angleichung das Wort パソコン pasokon geworden, ラブホ rabuho bezeichnet ein love hotel. Außerdem sind diese Wörter durch Umdeutung häufig nicht mehr mit ihrer ursprünglichen Bedeutung gleichzusetzen. Auch deutsche Lehnwörter sind im Japanischen zu finden (z. B. アルバイト arubaito von Arbeit, im Sinne von Teilzeitjob). Von Mitte des 19. bis ins 20. Jahrhundert hinein orientierte sich die ärztliche Ausbildung in Japan an deutschen Dozenten und Lehrbüchern, und die Krankenberichte wurden auf deutsch in lateinischer Schrift geschrieben. Daher haben sich vor allem in der Medizin viele Begriffe erhalten (z. B. ルンゲ runge von Lunge, クランケ kuranke von Kranke, カルテ karute von Karte im Sinne von Patientenkartei). Auch in der Philosophie (z. B. ゲシュタルト geshutaruto von Gestalt, イデー idē von Idee) und beim Bergsteigen (z. B. シュタイクアイゼン shutaikuaizen von Steigeisen, エーデルワイス ēderuwaisu von Edelweiß) finden sich im Japanischen zahlreiche deutsche Lehnwörter, Recht und Militärwesen sind weitere Bereiche. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts übernimmt das Japanische große Mengen von Wörtern aus dem Englischen, die meisten Begriffe des „modernen Lebens” fallen im heutigen Japanisch in diese Kategorie. Besonders sind dabei die Bereiche Wirtschaft, Computer, Popkultur, Medien und Werbung zu nennen.

Weiterführende Informationen

Vokal

Verwandte Sprachen und Sprachfamilien


- Ryūkyū-Sprachen
- Koreanische Sprache
- Polynesische Sprache
- Altaische Sprachen

Schrift


- Japanisches Schriftsystem
- Kaibun

Zahlen


- Japanische Zahlen

Kultur


- Japanische Wochentage
- Japanische Namen
- Japanische Anrede

Literatur


- 大野晋 日本語の起源 (Ōno Susumu: Nihongo no kigen = Die Entstehung der Japanischen Sprache), Tokyo 1957
- Roy Andrew Miller: Die japanische Sprache. iudicium, München. ISBN 3-891-29484-0 (aktuelle Auflage 2000)
- Jens Rickmeyer: Japanische Morphosyntax.Groos, Heidelberg ISBN 3-872-76718-6 (Auflage 1995)
- Association for Japanese-Language Teaching: Japanisch im Sauseschritt 1 Universitätsausgabe mit Kana und Kanji. Doitsu Center Ltd., Tokyo 2002 ISBN 4-9900384-5-2 (offiziell an den deutschen Volkshochschulen verwendetes Lehrbuch)

Sprachzertifizierung


- JLPT - Japanese Language Proficiency Test
- ToJFL - Test of Japanese as Foreign Language

Weblinks


- [http://www.japanisch-netzwerk.de/ Japanisch Netzwerk] (Großes Forum für Japanischlernende)
- [http://www.nihongo4u.de/ Nihongo4u Japanisch für Alle] (Infos zur Sprache und Kultur für Groß und Klein.)
- [http://www.japanische-sprache.de/ www.japanische-sprache.de]
- [http://www2.rz.hu-berlin.de/japanologie/studium/dohlus.pdf Deutsche Lehnwörter im Japanischen] (Magisterarbeit in Japanologie, mit einer Liste von fast 500 Begriffen im Anhang)
- [http://www.wadoku.de/ Freies Japanisch-Deutsches Wörterbuch] (sehr umfangreich mit rund 200.000 Einträgen)
- [http://bunmei7.hus.osaka-u.ac.jp:591/WadokuJT/search.htm Japanisch-Deutsches Wörterbuch der Universität Osaka] (auch Eingabe von japanischen Wörtern in Romaji/Schreibung in lateinischer Schrift möglich)
- [http://www.bibiko.de/kanji/ Kanji-Lexikon] (12.168 Kanji, davon ca. 6.650 mit deutscher Übersetzung)
- [http://www.suteki.nu/translator Japanese-Translator] (Gute Übersetzungen aus dem Englischen)
- [http://www.sf.airnet.ne.jp/~ts/japanese/ Teach Yourself Japanese] (Sprachkurs in englischer Sprache)
- [http://www.sauseschritt.com/tombeck Japanisch-Trainer]
- [http://www.cjmweb.de/japtrain.php OJT - Der Japanisch-Trainer]
- [http://lrnj.com/ Slime Forest] - mit einem typischen japanischen PC-Rollenspiel die japanischen Schriftsysteme lernen
- [http://www.kuroitenshi.de/ KuroiTenshi] Das Wissensportal um und über die japanische Kultur. (deutsch - Private Homepage mit vielen Informationen aus dem Bereich Kultur, Sprache und Geschichte Japans. Mit detaillierten Angaben zu Kimonos).
- [http://www.din1031.de/verben/ Japanische Verben] - Eine kleine Seite mit Informationen zu Japanischen Verben
- [http://www.ganbattehora.de/ Ganbatte Hora] - Japanischwebsite zur Japanischübung
- [http://www.steffen.jp/cambrium.htm Multiple-Choice-Kanji-Quiz] Kategorie:Einzelsprache ! ja:日本語 ko:일본어 ms:Bahasa Jepun simple:Japanese language th:ภาษาญี่ปุ่น zh-min-nan:Ji̍t-pún-oē

Karate

Karate (空手, jap. "leere Hand" bzw."ohne Waffen in den Händen") ist eine Kampfkunst, deren Geschichte sich sicher bis ins Okinawa des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt, wo einheimische Traditionen mit chinesischen und japanischen Einflüssen verschmolzen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand sie ihren Weg nach Japan und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von dort über die ganze Welt verbreitet. Die moderne Bezeichnung Karatedō soll Karate begrifflich in eine Linie mit anderen Budō stellen, will sich aber nicht so recht durchsetzen. Inhaltlich wird Karate durch waffenlose Techniken charakterisiert, vor allem Schlag-, Stoß-, Tritt- und Blocktechniken sowie Fußfeger. Hebel und Würfe werden manchmal ebenfalls gelehrt, selten werden auch Würgegriffe und Nervenpunkttechniken und die Anwendung von Techniken unter Zuhilfenahme von Kobudōwaffen geübt. Recht hoher Wert wird meistens auf die körperliche Konditionierung gelegt, die heutzutage insbesondere Beweglichkeit, Schnellkraft und aerobische Belastbarkeit zum Ziel hat. Die eigentliche Abhärtung der Gliedmaßen mit dem Ziel des Bruchtests, also des aus Film und Fernsehen bekannten Zerschlagens von Brettern oder Ziegeln, ist heute weniger populär, wird aber von Einzelnen immer noch enthusiastisch betrieben. Der traditionellen Etikette (Reishiki) kommt je nach den Gepflogenheiten des Dōjō mehr oder weniger Bedeutung zu, obwohl ein Mindestmaß fast immer beachtet wird. Das moderne Karate-Training ist häufig eher sportlich orientiert. Das heißt, dass dem Wettkampf eine große Bedeutung zukommt. Dadurch leidet unter Umständen auch die Vermittlung effektiver Selbstverteidigungstechniken, die durchaus zum Karate gehören.

Geschichte

Name

Karatedō (dō ->japanisch = Weg) wurde früher meist nur als
Karate bezeichnet und ist unter dieser Bezeichnung noch heute am häufigsten geführt. Der Zusatz wird verwendet, um den philosophischen Hintergrund der Kunst und ihre Bedeutung als Lebensweg zu unterstreichen. Bis in die dreißiger Jahre hinein war die Schreibweise 唐手 gebräuchlich, was soviel wie chinesische Hand bedeutet. Damit waren die chinesischen Ursprünge bereits im Namen der Kampfkunst manifestiert. Aus politischen Gründen ging man dann in Japan dazu über, die Schreibung 空手 also leere Hand zu verwenden. Das neue Zeichen wurde wie das alte kara gelesen und war auch von der Bedeutung her in sofern passend, als im Karate meist mit leeren Händen, also ohne Waffen gekämpft wird.

Ursprünge

Die Legende erzählt, dass der buddhistische Mönch Daruma Taishi (Bodhidharma) aus Kanchi Puram (Süd-Indien) im 6. Jahrhundert das Kloster Shaolin (jap. Shōrinji) erreicht und dort nicht nur den Ch'an (Zen)-Buddhismus begründet, sondern die Mönche auch in körperlichen Übungen unterwiesen habe, damit sie das lange Meditieren aushalten konnten. So sei das Shaolin-Kungfu (korrekt transkribiert: Quanfa, jap. Kempo) entstanden, aus dem sich dann die meisten anderen chinesischen Kampfkunststile entwickelt hätten. Da Karate um seine chinesischen Wurzeln weiß, betrachtet es sich ebenfalls gerne als Nachfahren jener Tradition, deren Historizität natürlich höchst zweifelhaft ist. Nichtsdestoweniger ziert das Bildnis von Daruma so manches Dōjō.

Von China nach Okinawa

Karate in seiner heutigen Form entwickelte sich auf der pazifischen Kette der Ryūkyū-Inseln, dort insbesondere auf der Hauptinsel Okinawa. Die Insel liegt ca. 600 Kilometer südlich von den japanischen Hauptinseln im Südchinesischen Meer und ist heute Japans südlichste Präfektur. Bereits im 14. Jahrhundert unterhielt Okinawa, damals noch unabhängig, rege Handelskontakte zu Japan, China und Korea. Die urbanen Zentren der Insel, Naha, Shuri und Tomari waren damals ein großer Umschlagplatz für Waren und boten damit ein Forum für den regen kulturellen Austausch mit dem chinesischen Festland. Dadurch gelangten erste Eindrücke chinesischer Kampftechniken Kempo nach Okinawa, wo sie sich mit dem einheimischen Te/De vermischten und sich zum Tode
Okinawa-Te weiterentwickelten . Te bedeutet wörtlich soviel wie Hand, im übertragenden Sinne auch Technik bzw. Handtechnik. Der ursprüngliche Begriff für Karate, Okinawa-Te, kann daher grob als Handtechnik aus Okinawa übersetzt werden (meint aber natürlich die verschiedenen Techniken als Ganzes). Die wirtschaftliche Bedeutung der Inseln führte dazu, dass sie ständig von Unruhen und Aufständen heimgesucht wurde. Im Jahre 1416 gelang es schließlich König Sho Shin (auch Sho Hashi) die Inseln zu einigen. Zur Erhaltung des Friedens in der aufständischen Bevölkerung verbot er daraufhin das Tragen jeglicher Waffen. Um die einzelnen Regionen zu kontrollieren verpflichtete er sämtliche Fürsten zum dauerhaften Aufenthalt an seinen Hof in Shuri, eine Kontrollmöglichkeit die später von den Tokugawa-Shogunen kopiert wurde. Durch das Waffenverbot erfreute sich die waffenlose Kampfkunst des Okinawa-Te erstmals wachsender Beliebtheit und viele ihrer Meister reisten nach China um sich dort durch das Training des chinesischen Chuan-Fa/Quan Fa fortzubilden. 1609 besetzte der japanische Satsuma-Clan die Inselkette und deren Statthalter auf Okinawa, Shimazu, verschärfte das Waffenverbot dahingehend, dass sogar der Besitz jeglicher Waffen, selbst Zeremonienwaffen, unter schwere Strafe gestellt wurde. Ungefähr zwanzig Jahre dauerte es, bis sich die großen Meister des Okinawa-Te zu einem geheimen oppositionellen Bund zusammen schlossen und festlegten, dass Okinawa Te nur noch im Geheimen an ausgesuchte Personen weitergegeben werden sollte. Währenddessen entwickelte sich in der bäuerlich geprägten Bevölkerung das Kobudō, das Werkzeuge und Alltagsgegenstände mit seinen speziellen Techniken zu Waffen verwandelte. Dabei gingen spirituelle, mentale und gesundheitliche Aspekte, wie sie im Chuan-Fa gelehrt wurden, verloren. Auf Effizienz ausgelegt, wurden Techniken, die unnötiges Risiko bargen, wie beispielsweie Fußtritte im Kopfbereich, nicht trainiert. Kobudō und seine Waffen konnten schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht verboten werden, da sie für die Versorgung der Bevölkerung sowie der Besatzer schlicht notwendig waren. Allerdings war es sehr schwer mit diesen Waffen einem ausgebildeten und gut bewaffneten Krieger im Kampf gegenüberzutreten. Deshalb entwickelte sich in Okinawa Te und Kobudō, die damals noch eng miteinander verknüpft gelehrt wurden, die Maxime möglichst nicht getroffen zu werden und gleichzeitig die wenigen Gelegenheiten, die sich boten zu nutzen, den Gegner mit einem einzigen Schlag zu töten. Einige erstaunlich hohe Fußtechniken scheinen einen speziellen Hintergrund zu haben. Wenn ein berittener Krieger in ein Dorf ritt, war es für einen fortgeschrittenen Karateka möglich, im richtigen Augenblick über eine Holzrampe zu laufen und den Ritter vom Pferd zu treten. Die Wahrscheinlichkeit, dass solch ein Angriff glückte war zwar sehr klein, aber immerhin eine Chance in einem ansonsten wenig aussichtsreichen Kampf. Die tödliche Wirkung dieser Kampfkunst führte dazu, dass die japanischen Besatzer erneut das Verbot ausdehnten, und das Lehren von Okinawa-Te ebenfalls unter drakonische Strafe stellten. Allerdings wurde es weiterhin im Geheimen unterrichtet. Damit wurde die Kenntnis des Te für lange Zeit auf kleine elitäre Schulen oder einzelne Familien beschränkt, da die Möglichkeit zum Studium der Kampfkünste auf dem chinesischen Festland nur wenigen begüterten Bürgern zur Verfügung stand. Effizienz Weil die Kunst des Schreibens in der Bevölkerung damals kaum verbreitet war, und man aus Geheimhaltungsgründen dazu gezwungen war, wurden keinerlei schriftliche Aufzeichnungen angefertigt. Man verließ sich auf die mündliche Überlieferung und die direkte Weitergabe und begann zu diesem Zweck, die zu lehrenden Techniken in didaktischen zusammenhängenden Einheiten zu festgelegten Abläufen oder Formen zu bündeln. So entwickelten sich die Kata des Okinawa-Te und wurden zum hauptsächlichen Medium der Tradition des Karate. Der erste noch namentlich bekannte Meister des Tode war vermutlich Chatan Yara, der etliche Jahre in China lebte und dort die Kampfkunst seines Meisters erlernte. Der Legende nach unterrichtete er wohl "Tode" Sakugawa, einen Schüler von Peichin Takahara. Auf Sakugawa geht eine Variante der Kata Kushanku, benannt nach einem chinesischen Diplomaten, zurück. Der bekannteste Schüler Sakugawas war "Bushi" Sokon Matsumura, der später sogar den Herrscher von Okinawa unterrichtete.

Zwanzigstes Jahrhundert

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde Karate stets im Geheimen geübt und ausschließlich von Meister zu Schüler weitergegeben. Während der Meiji-Restauration wurde Okinawa im Jahre 1875 offiziell zu einer japanischen Präfektur erklärt. In dieser Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, in der sich die okinawanische Bevölkerung den japanischen Lebensgewohnheiten anpasste und Japan sich nach jahrhundertelanger Isolierung wieder der Welt öffnete, begann Karate wieder stärker in die Öffentlichkeit zu drängen. Der Kommissar für Erziehung in der Präfektur Okinawa, Ogawa Shintaro, wurde 1890 während der Musterung junger Männer für den Wehrdienst auf die besonders gute körperliche Verfassung einer Gruppe junger Männer aufmerksam. Diese gaben an, auf der
Jinjo Koto Shogakko (Jinjo Koto Grundschule) im Karate unterrichtet zu werden. Daraufhin beauftragte die Lokalregierung den Meister Yasutsune Itosu damit, einen Lehrplan zu erstellen, der unter anderem einfache und grundlegende Kata (Pinan oder Heian) enthielt, aus denen er Taktik und Methodik des Kämpfens weitgehend entfernte und den gesundheitlichen Aspekt wie Haltung, Beweglichkeit, Gelenkigkeit, Atmung, Spannung und Entspannung in den Vordergrund stellte. Karate wurde dann 1902 offiziell Schulsport auf Okinawa. Dieses einschneidende Ereignis in der Entwicklung des Karate markiert den Punkt, an dem das Erlernen und Üben der Kampftechnik nicht mehr länger nur der Selbstverteidigung diente, sondern auch als eine Art Leibesertüchtigung angesehen wurde. Nach Beginn des Jahres 1900 erfolgte von Okinawa aus eine Auswanderungswelle nach Hawaii. Dadurch kam Karate erstmals in die USA, die Hawaii 1898 annektiert hatten. Gichin Funakoshi, ein Schüler der Meister Yasutsune Itosu und Anko Asato, tat sich bei der Reform des Karate besonders hervor: Auf der Grundlage des Shorin-Ryū (auch Shuri-Te nach der Ursprungsstadt) und des Shorei-Ryū (Naha-Te) begann er Karate zu systematisieren. Er verstand es neben der reinen körperlichen Ertüchtigung auch als Mittel zur Charakterbildung. Neben den genannten drei Meistern war Kanryo Higaonna ein weiterer einflussreicher Reformer. Sein Stil integrierte weiche, ausweichende Defensivtechniken und harte, direkte Kontertechniken. Seine Schüler Chojun Miyagi und Kenwa Mabuni entwickelten auf dieser Basis die eigenen Stilrichtungen Gōjū-Ryū bzw. Shito-Ryū, die später große Verbreitung finden sollten. In den Jahren von 1906 bis 1915 bereiste Funakoshi mit einer Auswahl seiner besten Schüler ganz Okinawa und hielt öffentliche Karate-Vorführungen ab. In den darauffolgenden Jahren wurde der damalige Kronprinz und spätere Kaiser Hirohito Zeuge einer solchen Aufführung und lud Funakoshi, der bereits Präsident einer okinawanischen Kampfkunstvereinigung war, ein, bei einer nationalen Budō-Veranstaltung 1922 in Tōkyō sein Karate in einem Vortrag zu präsentieren. Dieser Vortrag erfuhr großes Interesse und Funakoshi wurde eingeladen, seine Kunst im Kōdōkan praktisch vorzuführen. Die begeisterten Zuschauer, allen voran der Begründer des Jūdō, Jigorō Kanō, überredeten Funakoshi am Kodokan zu bleiben und zu lehren. Zwei Jahre später, 1924, gründete Funakoshi sein erstes Dōjō. Über die Schulen kam Karate auch bald zur sportlichen Ertüchtigung an die Universitäten, wo damals zum Zwecke der militärischen Ausbildung bereits Jūdō und Kendō gelehrt wurden. Diese Entwicklung, die die okinawanischen Meister zur Verbreitung des Karate billigend in Kauf nehmen mussten, führte zur Anerkennung von Karate als "nationale Kampfkunst" und war damit endgültig japanisiert. Nach dem Vorbild des bereits im Jūdō etablierten Systems wurde im Laufe der dreißiger Jahre dann der Kimono oder Karate-Gi sowie die hierarchische Einteilung in Schüler- und Meistergrade, erkennbar an Gürtelfarben, im Karate eingeführt; mit der auch politisch motivierten Absicht eine stärkere Gruppenidentität und hierarchische Struktur zu etablieren. Aufgrund seiner Bemühungen wurde daraufhin Karate an der Shoka-Universität, der Takushoku-Universität, der Waseda-Universität und an der Japanischen Medizinischen Hochschule eingeführt. Das erste offizielle Buch über Karate wurde von Gichin Funakoshi unter dem Namen Ryu Kyu Kempo Karate im Jahre 1922 veröffentlicht. Es folgte 1925 die überarbeitete Version Rentan Goshin Karate Jutsu. Sein Hauptwerk erschien unter dem Titel Karate Do Kyohan 1935 .( diese Version wurde 1958 noch einmal um die karatespezifischen Entwicklungen der letzten 25 Jahre erweitert.)Sein "Hauptwerk" erschien unter dem Namen "Karate-do Ichi-ro" (Karate-do - mein Weg), in dem er sein Leben mit Karate schildert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde durch Funakoshis Beziehungen zum Ausbildungsministerium, Karate als Leibeserziehung, und nicht als kriegerische Kunst eingestuft, was es ermöglichte, Karate auch nach dem Zweiten Weltkrieg zur Zeit der Besatzung in Japan zu lehren. Über Hawaii sowie die amerikanische Besatzung Japans und insbesondere Okinawas fand Karate im Laufe der fünziger und sechziger Jahre als Sportart zunächst in den USA und dann auch in Europa eine immer stärkere Verbreitung. Aus der nach Funakoshi bzw. dessen schriftstellerischen Pseudonym Shōtō benannten Schule Shōtōkan ging die erste international agierende Karate Organisation, die JKA hervor, die noch heute einer der einflussreichsten Karateverbände der Welt ist. Funakoshi und die übrigen alten Meister lehnten die Institutionalisierung und Versportlichung sowie die damit einhergehende Aufspaltung in verschiedene Stilrichtungen gänzlich ab. 1954 gründete Henry Plee in Paris das erste europäische Budō-Dōjō. Ein Deutscher Jūdōka namens Jürgen Seydel kam auf einem Jūdō-Lehrgang in Frankreich erstmals in Kontakt mit Karate beim Meister Murakami, den er begeistert einlud auch in Deutschland zu lehren. Aus den Teilnehmern dieser Lehrgänge, entwickelte sich zunächst innerhalb der Jūdō-Verbände eine Unterorganisation, die Karate lehrte und aus der schließlich im Jahre 1961 der erste Deutschen Dachverband der Karateka, der Deutsche Karate Bund hervorging. Der erste Karateverein in Deutschland wurde 1957 von dem Karate-Pionier Jürgen Seydel unter dem Namen Budokan Bad Homburg in Bad Homburg gegründet. Die größte Ausbreitung des Karate in Deutschland erfuhren die Organisationen in den siebziger, achtziger und neunziger Jahren in denen der Deutsche Karate Verband (DKV) die Karatetreibenden jeglicher Stilrichtung als Dachorganisation verband.

Etikette

Jedes Karatetraining beginnt und endet traditionell mit einer kurzen Meditation (黙想, mokusō). Danach wird eine rituelle Grußzeremonie (Rei) durchgeführt, in der sich Schüler und Meister voreinander und vor den alten Meistern und Vorfahren (im Geiste, repräsentiert an der Stirnseite, dem Shōmen des Dōjō) verneigen. Wie in allen anderen Dō-Künsten üblich wird im Umgang der strenge Kodex des Reishiki und das Dōjōkun beachtet.

Kleidung

Jeder Karateka trägt ein Karate-Gi, bestehend aus einer einfachen an der Hüfte geschnürten weißen Hose, Zubon, früher bestehend aus Leinen, heute aus Baumwolle und einer Jacke, Uwagi genannt, aus dem gleichen Material. Gehalten wird die Jacke (meist neben einer leichten Schnürung) durch einen gefärbten Gürtel, dem Obi.

Graduierung

In Graduierungen wird zwischen den Kyū- und den Dan-Graden unterschieden. Während letztere die Meisterstufe bezeichnen, stellen die Kyū-Grade die Stufen der Schüler dar. Jeder dieser Stufen wird eine Gürtelfarbe zugeordnet. Der 9. Kyū ist hierbei die unterste Stufe. Das Problem der Gürtelfarben ist, dass die verschiedenen Vereine und Verbände verschiedene Gürtelfarben haben. Daher ist dies nur ein Muster, welches aus einem bestimmten Dojo (Trainingsraum) stammt. Viele der Gürtelfarben sind auch eine Erfindung des modernen Karate, insbesondere in westlichen Ländern. Viele Verbände verfolgen damit neben der beabsichtigten Motivation der Mitglieder auch finanzielle Interessen, denn für jede abzulegende Prüfung wird eine Gebühr erhoben.

Prüfungen

Zum Erlangen eines höheren Schüler- bzw. Meistergrades werden Prüfungen nach einem festen Programm und einer Wartezeit, je nach Kyu- und Dan-Graden verschieden, abgelegt. Die Programme der Prüfungen können sich allerdings von Verband zu Verband oder sogar in jedem einzelnen Dōjō unterscheiden. Das Ablegen der Prüfungen wird heute als Ansporn und Bestätigung des Erreichten, ähnlich wie in unserem Schulsystem, angesehen. Es wird auf Haltung, Aufmerksamkeit, korrekte Ausführung der Technik, Kampfgeist, Konzentration und Willen geachtet. Der Gesamteindruck entscheidet. Die höheren Meistergrade (meist ab dem 5. Dan) können nicht mehr durch Prüfungen erreicht werden, sondern werden aufgrund besonderer Leistungen und Verdienste von der jeweiligen Organisation verliehen.

Philosophie

Karate hat einen spirituellen Kern, aus religiösen Elementen des Zen und des Taoismus. Außerdem ist es stark beeinflusst vom Bushidō (jap. „Weg des Kriegers“), dem Kodex der Samurai.

Meditation

Zum besseren Verständnis des spirituellen Wesens des Karate ist auch das Studium des chinesischen Taijiquan sehr geeignet, das sowohl als ganzheitliche Meditation als auch als Kampfkunst (z. B. mit dem Schwert) betrieben werden kann. Die Wiederholung der Bewegungen, in Kihon (jap. „Grundschule“) und Kata (jap. „Form“) wird von manchen Meistern als Meditation betrachtet. Das Ki, also die Energie des Körpers, das Bewusstsein, das sich beispielsweise in Koordinations- und Reaktionsvermögen äußert, sollen durch körperlich anstrengende, konzentrierte und dynamische Bewegungen gestärkt werden. Bei der Aufwärmgymnastik werden in manchen Schulen auch Bestandteile von Yogaübungen praktiziert.

Das Prinzip des Dō (道) findet sich in allen japanischen Kampfkünsten wieder und ist unmöglich umfassend zu beschreiben. ist die japanische Lesart des chinesischen Tao, das mit dem gleichen Zeichen geschrieben wird. Es bedeutet „Weg“; nicht nur im wörtlichen Sinne also „Straße“, sondern auch mit der übertragenen Bedeutung des „Lebensweges“, der „Lebenseinstellung“. Dahinter stehen einerseits das taoistisch-schicksalhafte Prinzip, daß das Tao, der Weg, vorgezeichnet ist und die Dinge in ihrer Richtigkeit vorbestimmt; sowie die Einstellung des Nichtanhaftens und der Nichtabhängigkeit von allen Dingen, Gegebenheiten und Bedürfnissen, die im Zen-Buddhismus gelehrt wird. Der Kodex des Bushidō geht noch weiter: Der bushi (jap. „Krieger“), der Bushidō verinnerlicht hat, befreit sich damit nicht nur von allen materiellen Bedürfnissen, sondern von dem Begehren um jeden Preis zu leben. Das Ende des eigenen Lebens wird damit nicht unbedingt erstrebenswert, aber auf jeden Fall eine zu akzeptierende Tatsache, und der Tod birgt keinen Schrecken mehr. Diese Haltung war im alten Japan eine hochangesehene geistige Einstellung, die sich in vielen martialischen Verhaltensweisen wie dem Seppuku manifestierte. Dies darf jedoch auf keinen Fall als Geringschätzung gegenüber dem eigenen Leben oder dem eines anderen aufgefasst werden. Im Gegenteil: Die Aufopferung des eigenen wertvollen Lebens wog vielmehr jede Schmach auf, die ein Krieger zu Lebzeiten auf sich geladen hatte. Das Seppuku, also der rituelle Selbstmord, befreit den Krieger von Schuld und Schande und stellte seine Ehre wieder her. Das Dō-Prinzip impliziert nun viele verschiedene Konzepte und Verhaltensweisen, die nicht abschließend aufgezählt werden könnten. Deshalb hier nur einige wenige Aspekte:siehe auch Dojokun; Shoto-Niju-Kun
- „den Weg gehen“: lebenslanges Lernen und Arbeiten an sich selbst; ständige Verbesserung
- Friedfertigkeit, Friedenswille, aber auch
- Geradlinigkeit; absolute Entschlossenheit im Kampf :(„Tue alles, um eine Auseinandersetzung zu vermeiden. Kommt es aber trotzdem zum Kampf, so soll Dein erster Schlag töten.“)
- Respekt und damit Höflichkeit gegenüber jedem Individuum und Ding, auch dem Feind
- „Weg“-Gemeinschaft mit Meister und Mitschülern, Brüderlichkeit, verantwortungsvolles Handeln
- Selbstbeherrschung, universelle Aufmerksamkeit (Achtsamkeit), Konzentration (Zanshin, 残心)
- Offenheit, Bemühen um Verständnis, Akzeptanz
- Nicht-Streben

Olympische Spiele

Karate ist keine olympische Disziplin. Allerdings ist es in die Liste der olympischen Spiele aufgenommen worden. Viele Verbände, u. a. der DKV, haben begonnen, alte Wettkampfformen und das Punktesystem zu verändern, um so den Karatewettkampf für die Olympischen Spiele vermeintlich „populärer“ zu machen. Viele der alten Meister waren allerdings von dem Wettkampfgedanken in bezug auf Karate sehr wenig angetan; und so sind auch heute noch viele der Meinung, dass eine Aufnahme in den Olympischen Kanon eine weitere Versportlichung und den Verlust vieler althergebrachter Werte des Karatedō mit sich brächte. Daher wird die Aufnahme in die Reihe der olympischen Sportarten von sehr vielen Karateka äußerst skeptisch gesehen.

Stilrichtungen

Die vier großen Stilrichtungen im Karate sind
- Shotokan,
- Gojo-Ryu,
- Wado-Ryu und
- Shito-Ryu. Daneben gibt es noch eine unüberschaubare Anzahl an kleineren Stilrichtungen, die teilweise nur in bestimmten Ländern, teilweise aber auch weltweit verbreitet sind. Jede Stilrichtung hat ihren Fokus auf verschiedenen Aspekten des Karate. So können Stile mehr auf Selbstverteidigung, Wettkampf, Fitness, Tradition oder auf andere Punkte Wert legen.

Die vier großen Stilrichtungen

Shōtōkan

Funakoshi Gichin, geboren 1868 in Shuri auf Okinawa und ursprünglich als Hauptschullehrer tätig, wird heute als Begründer des Shōtōkan-Karate angesehen. Sein Stil basiert auf Matsumuras Shorin Ryū. Shōtō war Funakoshis Künstlername und bedeutet Pinienrauschen - seine erste eigene Trainingshalle (im Frühjahr 1935 in Tōkyō eingeweiht) wurde aus diesem Grund Shōtōkan genannt. Diese Bezeichnung wurde später für seinen Karate-Stil übernommen. Funakoshi's Zielsetzung war:
- Schulung von Geist, Charakter und innerer Einstellung. „Bevor du den Gegner besiegst, musst du dich selbst besiegen.“
- „Man kann sehr sehr lange trainieren, aber wenn man immer nur Hände und Füße bewegt und wie eine Marionette umherspringt, dann ist Karate nicht anders als Tanzen lernen. Man wird die Hauptsache verfehlen. Es wird so nicht gelingen, die Quintessenz des Karate-do zu begreifen.“ - Funakoshi Gichin, J. Hyams (1979, 87)
- Wichtig war ihm außerdem auch der Selbstverteidigungsaspekt des Karate. Von Funakoshi stammt die im heutigen Wettkampfkarate kaum mehr beachtete Maxime: „Im Karate gibt es keine erste Hand." (D.h. ein Karateka soll niemals, auch nicht präventiv, zuerst angreifen.) Funakoshis dritter Sohn Yoshitaka Giko entwickelte 1938-1945 als Hauptlehrer im Shōtōkan-Dōjō tiefere und längere Stellungen und ab 1943 Gohon-Kumite, Sanbon-Kumite und Ippon-Kumite. Insgesamt ein dynamischerer und kämpferischerer Stil. Außerdem den Mawashi-Geri, Yoko-Geri-Kekomi, Yoko-geri-Keage, Ura-Mawashi-Geri und Fumi-Komi. Kase Taiji Sensei entwickelte zeitgleich als Schüler Yoshitakas den Ushiro-Geri und den Keiten-Geri. Professor Nakayama Masatoshi (1913-1987), Schüler von Gichin Funakoshi, studierte 1937-1946 unter anderem in China Kampfkünste. Er gründete 1949 an der Takushoku-Dai Universität mit Nishiyama und Takagi die Japan Karate Association JKA (日本空手協会, Nihon Karate Kyōkai). Nakayama entwickelte das Jiyu-Kumite welches später die Grundlage für den Wettkampf im Shôtôkan-Karate darstellte. Die spezielle Form des Kumite ermöglichte eine realistischere Kampfsimulation und eine gute Grundlage für die strategische Analyse, die auch zur Verbesserung der Selbsteinschätzung führte. Die korrekte Ausführung der Techniken wurde durch die Schiedsrichter kontrolliert. Nach dem Krieg war Nakayama Direktor der sportwissenschaftlichen Fakultät der Takushoku-Universität in Tokyo. So kam es erstmals zu einer wissenschaftlichen Aufarbeitung des Karate. Standardwerke wie das reich bebilderte „Dynamic Karate“ und die mehrbändige Buchserie „Karate-Perfekt“ entstanden. Sportwissenschaftliche Zusammenarbeit mit Okazaki Teruyuki (
- 1931) damals in der JKA, an der Universität von Long Island in New York. Entwicklung von Wettkampfregeln 1951 an der Waseda-Universität mit Oshima. Mitglieder der JKA waren u.a. Kase Taiji, Kanazawa Hirokazu, Enoeda Keinosuke, Tsuyama Katsunori, Shirai Hiroshi, Yahara Mikio, Kawasoe Masao, Tanaka Masahiko, Abe Keiko, Asai Tetsuhiko. Nach dem Tode Funakoshis spalteten sich die Anhaenger Funakoshis in zwei Gruppen. Eine ist die Japan Karate Kyokai, die andere die Shotokai von Egami. Egami Shigeru (1912-1981), mehr Mystiker, Schüler Funakoshis, lehnte Nakayamas Weg als zu sportlich ab und gründete 1958 das Shotokai Karate. Shotokai Karate veranstaltet keine Wettkämpfe. Die Katas sind mit den Shōtōkan-Katas weitgehend identisch. Nach der Abspaltung der JKA veränderte Egami sein Karatekonzept, das sich bisher an Yoshitaka Funakoshis Auffassung anlehnte, wobei er beeinflusst wurde vom Aikido, Tai Chi Chuan, und Qigong. Heute zeigt sich das Shotokai mit extrem tiefen Stellungen, die zur Selbstverteidigung ungeeignet erscheinen. Hier unterscheidet sich die Shotokai stark vom dynamischen Karate der JKA unter Nakayama, die heute versucht zu ihren Wurzeln zurückzukehren. Kanazawa Hirokazu (
- 1931), gründete 1974 mit den Meistern Asano Shiro, Miura Masuru, Nagai Akio, Kawasoe Masao und Koga Rikuta die Shōtōkan Karate International SKI. Professor Kase Taiji (
- 1929-2004)), gründete 1989 mit Meister Shirai Hiroshi die WKSA in Mailand, die 1999 in die Shotokan-Ryu-Kase Ha Instructor Academy überging. Nach Nakayamas Tod konnte er sich mit der immer weiter um sich greifenden Versportlichung des Karate-Dō innerhalb der JKA nicht mehr identifizieren. Am 24. November 2004 starb Shihan Kase.

Gōjū-Ryū

Der Naha-Te Stil (die Hand von Naha), entwickelt von Higaonna (18531917), bildete die Basis des Gojū Ryū Karate. Er studierte dort lange Chinesisches Kempo. Miyagi (18881953) gab dann dem Gōjū-ryu Stil den letzten Feinschliff. Der Name setzt sich aus den Silben (剛, hart) und (柔, weich) zusammen und wird seit 1929 benutzt. Ursprung der philosophischen Bedeutung: "Alles im Universum atmet hart und weich" (Bubishi. 1940 wurde die Entwicklung des Gōjū Ryū als Stil abgeschlossen, indem Miyagi die von ihm entwickelten Kata Gekkisai-dai-ichi und Gekkisai-dai-ni einbrachte.

Wado-Ryū

Wado-Ryū wurde von Sensei Hironori Ōtsuka (1892-1982) 1934 gegründet. Durch die Einflüsse des Shindo Yoshinryu Jiu Jitsu Kempo sind die Bewegungen kleiner, die Stellungen kürzer und im Kumite werden vor allem Ausweichbewegungen geübt, direkte Konter, aber auch Hebel und Würfe angewandt. In der Kata sind gegenüber Shōtōkan die größten Unterschiede festzustellen. Wado Ryū Katas haben ein leichteres, weniger kraftvolles Erscheinungsbild sind ökonomisch in der Bewegung, verlieren dadurch jedoch nicht die Wirksamkeit in der Technik. Diesem Prinzip entsprechend liegt im Wado Ryū der Hauptakzent auf die Bewegung des Körpers (tai sabaki).

Shito Ryū

Dieser Stil wurde von Kenwa Mabuni gegründet und ist das umfangreichste "crossover" das es im Karate gibt. Alle möglichen Einflüsse nicht nur okinawanisch sondern auch chinesische Konzepte sind in diesem Stil zusammengeführt. Begründet liegt dies darin, dass Kenwa Mabuni zwei Meister hatte: Kanryo Higa-shi-onna und Yasutsune Ito-su. Mabuni ehrte beide Meister dadurch, dass er jeweils aus einer Silbe der Namen seiner Meister seine Stilrichtung benannte. Somit wurden Elemente des Shorin-ryu (Itosu) mit Shorei-ryu Elementen (Higashionna) verbunden. Besondere Katas, die in den anderen Stilrichtungen nicht trainiert werden und deren Ursprung der chinesische Kranich Stil ist, sind Hakutsura und Nipaipo. Neben diesen Katas entwickelte Mabuni Aoyagi Juroku und Myojo.

Training

Das Training des Geistes, des Charakters und der inneren Einstellung sind Hauptziele im Karate. Dies wird auch durch den Leitspruch der Japan Karate Association (JKA) dargelegt: :Oberstes Ziel in der Kunst des Karate ist weder Sieg noch Niederlage, sondern liegt in der Vervollkommnung des Charakters des Ausübenden. Eine weitere Grundregel im Karate lautet :「空手に先手無し。」 (Karate ni sente nashi), was soviel bedeutet wie: Es gibt keinen Initialangriff im Karate. Damit ist nicht das Training oder der Wettkampf gemeint, da ernsthafte Angriffs-Simulationen zu allen Budō-Künsten gehören. Der Satz verdeutlicht vielmehr den Kodex des Karatedō im täglichen Leben. Das Karatetraining baut auf drei großen Säulen auf, dem Kihon, dem Kumite und der Kata:

Kihon

基本 (Kihon) heißt Grundlage oder Quelle, Ursprung (des Könnens) und wird häufig auch als Grundschule des Karate bezeichnet. Es umfasst die grundlegenden Techniken, die das Fundament des Karate bilden. Die einzelnen Techniken werden immer wiederholt, entweder langsam oder schnell, kraftvoll oder leicht/locker. Der Bewegungsablauf der einzelnen Technik wird in alle Bestandteile zerlegt und es wird versucht die Ideallinie der Bewegung zu finden, wobei es immer etwas zu optimieren gibt. Der Bewegungsablauf muss optimal verinnerlicht werden - reflexartig abrufbar, da für Denken, Planen und Handeln in einem realen Kampf zu wenig Zeit ist. Einatmung, Ausatmung, maximale Anspannung des ganzen Körpers im Zielpunkt. Kraftzentrum und Schwerpunkt liegen im Hara (ca. 2 cm unter dem Bauchnabel). Eine gute Gleichgewichtsbalance ist erstrebenswert und der innere Schwerpunkt muss gefunden werden. Die Haltung soll aufrecht sein.

Kumite

組み手 (Kumite) bedeutet wörtlich verbundene Hände und meint das Üben bzw. den Kampf mit einem (selten mehreren, siehe Bunkai) Gegnern. Das Kumite stellt innerhalb des Trainings eine Form dar, die sich auf angeborenes reaktives und intuitives Verhalten gegenüber überraschenden und gefährlichen Situationen stützt. Wenn bestimmte Techniken erlernt wurden (wenn man die erlernten Techniken also ohne zu überlegen ausführen kann), dann werden sie im Kumite erprobt. Es gibt verschiedene Formen des Kumite, die mit steigendem Anspruch von einer einzigen, abgesprochenen, mehrfach ausgeführten Technik bis hin zum freien Kampf in ihrer Gestaltung immer offener werden: Bei Verteidigungstechniken werden hauptsächlich die Arme zu Blocktechniken verwendet. Würfe, Hebel, harte, weiche Blockbewegungen oder auch nur Ausweichen, meist in Kombination mit Schritt- oder Gleitbewegungen. Eine Blockbewegung kann auch als Angriffstechnik ausgeführt werden. Ein sehr gutes "Auge" vorausgesetzt, wird dazu der Angriff des Gegners im Ansatz mit einer Abwehrbewegung oder einem Gegenangriff (出会い, 'deaii', gleichzeitig) gestoppt. Beim Angriff wird versucht, die ungedeckten Bereiche bzw. durch die Deckung hindurch den Gegner zu treffen. Es soll möglichst mit absoluter Schnelligkeit und mit höchster Vorspannung, konzentriert angegriffen werden. Der Kraftpunkt liegt am Zielpunkt der Bewegung. Erhöhter Krafteinsatz während der Bewegung führt zu Schnelligkeitsverlusten. Das Prinzip der Angriffstechnik gleicht dem des Pfeiles eines Bogenschützen bei Schlag- und Stoßtechniken und dem einer Peitsche bei geschnappten Techniken.

Yakusoku-Kumite

約束組手 (abgesprochenes Kumite) ist die erste Stufe der am Partner/Gegner angewandten Technik. Dabei folgen beide Partner einem vorher festgelegten Ablauf von Angriff- und Verteidigungstechniken, die in der Regel im Wechsel ausgeführt werden. Ziel dieser Übung ist es, die Bewegungen des Partners/Gegners einschätzen zu lernen, sowie die eigenen Grundschul-Techniken in erste Anwendung zu bringen, ein Gefühl für Distanz und Intensität zu erhalten.

Jiyu-Kumite

自由組手 (Kampf-Üben nach belieben) Verteidigung und Angriff werden frei gewählt, teilweise ohne Ansage oder Bekanntgabe. Jiyu bedeutet "Freiheit" oder "Wahlfreiheit". Allgemein gilt: Man muss, egal ob man die Initiative im Angriff oder in der Abwehr ergreift, "in Haltung gehen und aus der Haltung heraustreten", ungehindert aller einschränkenden Verhaftungen. Es ist also egal, ob man einen Angriff blockt, sperrt, in diesen hineingeht oder selbst zum Angriff übergeht. Wichtig ist nur, all seine Aktionen OHNE ZU DENKEN auszuführen. Das heißt, dass man bei seinen Aktionen nicht von ablenkenden Gedanken erfasst wird. Der Kopf muss kühl bleiben. Ebenso wie in allen anderen Kampfkünsten hemmen die "Bewegungen im Kopf" letztlich die Bewegungen des Körpers. Der Geist muss ungehindert fließen können, um jede Bewegung des Gegners aufnehmen zu können. Diese Form des Kampfes stellt die Höchstform des klassischen Karate dar. Timing, Distanzgefühl, ein selbstbewusstes Auftreten, eine sichere Kampfhaltung, schnelle und geschmeidige Techniken, gehärtete Gliedmaßen, intuitives Erfassen, ein geschultes Auge, Sicherheit in Abwehr, Angriff und Konter... das alles sollte hinführend zum Jiyu-Kumite bereits vorher in den anderen Kumite-Formen sowie im Kihon und in der Kata eingeübt werden. Letzteres wird sich jedoch erst im Jiyu-Kumite sowie im randori vollends ausbilden: Spontanität.

Randori

乱取り (Unruhen/Ungeordnetes abfangen) ist eine freie Form des Partnertrainings, bei der es darum geht ein Gespür für den Fluss eines Kampfes, der Bewegungen und der eingesetzten Energie zu bekommen. Dabei ist es nicht zielführend, wie im Kampf Treffer um jeden Preis zu vermeiden, sondern es ist ausdrücklich erwünscht, dass die Trainierenden Treffer bei gut ausgeführten Angriffen auch zulassen. Es sind keine Vorgaben bezüglich der einzusetzenden Techniken gemacht. Die Übenden sollen vielmehr das spontane Handeln aus den sich ergebenden Situationen erlernen. Das Randori sollte locker und gelassen sein, einen freien Fluss der Techniken ermöglichen und keinen Wettkampfcharakter annehmen. Kata

(Frei-)Kampf

Der Freikampf imitiert entweder reale Selbstverteidigungssituationen oder dient dem Wettkampf bzw. dessen Vorbereitung. Im Freikampf kommen Taktiken des Sen no Sen und Go no Sen zur Anwendung. Kennzeichnend im "traditionellen" Karate ist der beabsichtigte Verzicht auf Treffer-Wirkung am Gegner. Absolut notwendig ist die Fähigkeit, Angriffstechniken vor dem Ziel, (Körper des Gegners) mit einer "starken" Technik zu arretieren, da ohne Hand- und Kopfschutz geübt wird. Treffer-Wirkung ist ein Regelverstoß. "Schwache" Techniken führen zu keiner Wertung. Vollkontakt-Karate-Kampfsysteme gestatten und beabsichtigen in der Wettkampfordnung die Trefferwirkung. Viele dieser Stilrichtungen verwenden dazu auch Schutzausrüstungen wie Kopf- und Gebissschutz sowie einen speziellen Handschuh der die Fingerknöchel und den Handrücken polstert. Wird der Freikampf als Wettkampf durchgeführt so gibt es feste Regularien die beispielsweise Würfe über Hüfthöhe, Tritte zum Kopf, sowie Techniken gegen den Genitalbereich oder mit offener Hand zum Hals geführte Schläge aus Sicherheitsgründen verbieten. Ohne Handschuhe sind Angriffe mit den Händen oder Fäusten zum Kopf verboten, wie im Kyokushin-Kai, oder es wird komplette Schutzausrüstung mit Helm, Weste, Tiefschutz, Unterarm- und Schienbeinschoner und evtl. ein Spannschutz verwendet, wie auch im Taekwondo.

Kata

(型) bedeutet Form oder Schablone. Eine Kata ist ein stilisierter und choreographierter Kampf gegen mehrere imaginäre Gegner, der einem festgelegten Muster im Raum, Embusen genannt, folgt. Verschiedene Stilrichtungen üben im allgemeinen verschiedene Kata, jedoch gibt es auch viele Überschneidungen, Varianten und unterschiedliche Namensgebung. Kata entwickelten sich wie bereits im Abschnitt Geschichte erwähnt zur komprimierten Weitergabe der Techniken einer Schule oder eines einzelnen Meisters ohne die Notwendigkeit schriftlicher Aufzeichnung.

Die vier Elemente der Kata

Bunkai
分解 (Analyse, Zerlegung) bezeichnet die Analyse der einzelnen fest vorgeschriebenen Bewegungen einer Kata, wie sie in der entsprechenden Schule gelehrt werden. Die dabei betrachtete Form der Kata bezeichnet man als das Genki (原拠) oder Basis-Modell. Dieses bezeichnet die Urform bzw. den Ursprung der Kata.
Ōyō
応用 (Anwendung) verlässt das Genki Modell indem dem Übenden individuelle Modifizierungen innerhalb der vorgeschriebenen Katabewegungen erlaubt werden. Manche Bunkai Techniken berücksichtigen z.B nicht den Größenunterschied zwischen Tori und Uke. Einer der beiden Partner modifiziert die Technik auf eine andere Schlag oder Trittstufe als die durch die Kata fest vorgegebene. Der Karateka modifiziert und optimiert die Kata auf seine Körpergrösse und verlässt damit das Genki Modell.
Henka
変化 (Variation). Die Ausführung der Kata und Ihr Ausdruck werden trotz absolut gleichen Bewegungsabläufen der Ausführenden niemals gleich aussehen. Die Akzentuierungen innerhalb der Bewegungsabläufe, die eingesetzte Kraft in den Einzeltechniken, die individuelle koordinative Befähigung, die Gesamtkonstitution und viele weitere Aspekte bewirken das eine Kata von zwei Karatekas vorgetragen niemals gleich sein kann. Henka beschreibt wie der Ausführende die Kata präsentiert und auch wie er sie sieht.
Kakushi
隠し (versteckt). Jede Kata beinhaltet Omote (表, Oberfläche, den sichtbaren Teil) und Okuden (奥伝, die Esoterik oder den unsichtbaren Teil). Kakushi beschäftigt sich mit Techniken die zwar immer im Genki Modell vorhanden sind aber im Verborgenen schlummern, da sie nicht offensichtlich sind. Diese scherzhaft als "Supertechnik" bezeichneten Inhalte eröffnen sich nur wenn der Meister auf diese verweist. In traditionell ausgerichteten Dojo werden diese Techniken nur den Uchi-deshi vermittelt. Kakushi wird traditionell ab dem 4. Dan vermittelt, da dieser auch als Dan des technischen Experten bezeichnet wird.

Andere Trainingsformen

Makiwaratraining

Ein Makiwara ist ein im Boden oder an der Wand fest verankertes Brett, aus elastischem Holz, z.B. Esche oder Hickory, mit Stoff, Leder o.ä. umwickelt, auf das man schlägt und tritt. Die Elastizität des Holzes verhindert einen harten Rückstoß in die Gelenke. Die Verletzungsgefahr (Hautabschürfungen und Gelenkversetzungen) ist am Anfang recht hoch. Dieses Training fördert den Knochenaufbau der Unterarme. Die Armknochen bestehen aus fast hohlen Knochen, die durch diese Trainingsform gestärkt werden. Durch die Belastung des zurückfedernden Makiwara, bei einem Schlag oder Tritt, werden diese Stellen vom Körper „verdickt“, es lagert sich also mehr Calcium in dem Knochen an. Dieser wird dadurch härten.

Kimetraining

Um das Kime zu trainieren wird zunächst die Muskulatur geschwächt. Mit dieser Schwächung wird der Körper gezwungen, die Technik so effizient wie möglich auszuführen. Beispiele für ein Kimetraining und die vorangehende Schwächung wären:
- Handstandliegestütze an der Wand - Tsuki-Training
- Hockstrecksprünge - Mae-Geri-Training

Film und Medien

Die Darstellung von Karate in amerikanischen Filmproduktionen niedriger Qualität hat dem Karate seit jeher ein schlechtes Image verpasst. Obwohl die positiven Helden durchweg Karate oder eine ähnliche Kampfkunst verwenden, um die Bösen zu besiegen, bleibt doch häufig ein schaler Nachgeschmack. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen in diesen B-Filmen, die oft Namen tragen wie Karate-Warrior/Tiger/Kid/Fighter, nur zu leicht. Der Gute und die Bösen unterscheiden sich nicht in ihren Methoden, sondern nur in ihren Motiven. Ein häufig zu beobachtendes Schema ist: Der Held verliert Eltern/Geschwister/alten Freund/Onkel oder ähnlich durch Mord oder Entführung an den oder die Bösen, was einen ausgiebigen Rache-Feldzug rechtfertigen soll. Der Held ist entweder ein alter Hase im Kampfgeschäft oder ein junger Naseweis, der von einem weisen alten Meister unterrichtet wird, bis er die Bösen besiegen kann. Trotz der gelegentlich angerissenen moralischen Lehren, bleibt die Charakterschule des Karate im Hintergrund. Karate wird in den Händen des disziplinierten Helden zum bloßen Werkzeug, das kämpferische Überlegenheit garantiert. Ein Protagonist aber, dessen wesentliche Eigenschaft ist, wieviele Bretter/Ziegelsteine/Eisblöcke er zerschlagen kann, ist kaum ein geeigneter Werbeträger für die Sache, die sich Karate eigentlich auf die Fahnen geschrieben hat. Es ist fraglich, ob die von diesen Filmen angesprochene Zielgruppe genau die charakterlichen Eigenschaften mitbringt, die im Karate erwünscht sind: Disziplin, Höflichkeit, Willensstärke. Das Bild, welches viele nicht mit den japanischen Kampfkünsten Vertraute vom Karate haben, wird von diesen Filmen geprägt, ist also ein Vorurteil. Auf der anderen Seite ist nachvollziehbar, dass ein Karateka, dem es aufgrund höherer Einsicht und Fähigkeit gelingt Konflikte schon im Vorfeld zu entschärfen, kein geeignetes Filmmotiv darstellt. Bekannte Schauspieler, die Karate betreiben oder betrieben haben, sind Elvis Presley, Sean Connery, Wesley Snipes, Dolph Lundgren und Chuck Norris. Siehe auch Martial-Arts-Film.

Literatur


- Rudolf Jakhel: Modernes Sport-Karate, Verlag Meyer & Meyer Sport Oktober 2002, ISBN 3-891-24903-9.
- Ralf Pfeifer: Mechanik und Struktur der Kampfsportarten. Handbuch für Trainer in Kampfsport und Kampfkunst. Dissertation an der Deutschen Sporthochschule Köln, Verlag Sport & Buch Strauß, Köln, 2004, ISBN 3-89001-243-4.
- Efthimios Karamitsos, Bogdan Pejcic: Karate Grundlagen, Verlag Falken 2000, ISBN 3-8068-1863-0.
- Heiko Bittmann: Karatedô - Meister der vier großen Schulrichtungen und ihre Lehre. Biographien - Lehrschriften - Rezeption, Verlag Heiko Bittmann, Juni 1999, ISBN 3-000-04098-6.

Siehe auch


- Portal:Budō
- Karate-Ausdrücke
- Tangsudo
- Nanbudo

Weblinks


- [http://www.kusunoki.de/meister/biograph.html Bekannte Meister]
- [http://www.klassisches-karate.de/karate/lex0.htm Kleines Karate-Lexikon]
- [http://www.deutscher-jka-karate-bund.de/ Deutscher JKA Karate Bund - Fachverband für traditionelles Karate]
- [http://www.karate-dkv.de/ Deutscher Karate Verband e. V.]
- [http://www.karate.ch/ Schweizerischer Karate Verband]
- [http://www.karate-do.de/ Lesenswertes über Karate] Kategorie:Wegkunst ! ja:空手道 ms:Karate

Jūdō

Judo (jap. 柔道, jūdō [] = (wörtlich) sanfter Weg) ist eine japanische Kampfsportart, deren Motto „Siegen durch Nachgeben” ist. Der Begründer ist Professor Jigoro Kano. Judo/Jiu-Jitsu-Vorläuferformen wurden Anfang des 20. Jahrhunderts für den Wettkampf angepasst. Es wurden alle gefährlichen Techniken entfernt, um aus einer Kunst bis dahin vorwiegend zur Selbstverteidigung, ein ganzheitliche Lehre für Körper und Geist zu machen. Die verbliebenen Techniken sind hauptsächlich Würfe, Halte- und Würgetechniken sowie Armhebel. Judo ist nicht ausschließlich ein Weg der Leibesertüchtigung, sondern darüber hinaus auch eine Philosophie zur Persönlichkeitsentwicklung. Zwei philosophische Grundprinzipien liegen dem Judo im Wesentlichen zugrunde: # Das gegenseitige Helfen und Verstehen zum beiderseitigen Fortschritt und Wohlergehen (jita-kyoei). # Der bestmögliche Einsatz von Körper und Geist (sei-ryoku-zenyo). Ziel ist es, diese Prinzipien als eine Haltung in sich zu tragen und auf der Judomatte bewusst in jeder Bewegung zum Ausdruck zu bringen. Ein Judo-Meister hört niemals auf Judo zu praktizieren, auch wenn er nicht im Dojo ist. Die drei Säulen des Kodokan Judo sind Kata, Randori und Shiai.

Die Entwicklung des Judo

Ursprünge

Shiai Die Ursprünge der japanischen Selbstverteidigungskünste liegen im Dunkel der Geschichte. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurden sie zwischen dem achten und zehnten Jahrhundert von chinesischen Mönchen nach Japan gebracht. Die Japaner kultivierten diese dann zu einer echten Kampfkunst. An den Höfen der Daimyos, der Fürsten, wurden diese Verteidigungs- oder Kampftechniken, sowohl mit, als auch ohne Waffe, von den Samurai, der Kriegerkaste, ausgeübt. Die Samurai lebten nach ihrem Ehrenkodex, dem Bushido (Der Weg des Kriegers). Treue, grenzenlose Ergebenheit gegenüber ihrem Herrn, unbedingte Pflichterfüllung, die Einhaltung eines gegebenen Wortes, absolute Verschwiegenheit, Tapferkeit und Todesverachtung, waren die Grundsätze des Bushido. Es war zudem stark von der konfuzianischen Lehre und dem Zen-Buddhismus beeinflusst. Die Zeit der Samurai endete mit der Meiji-Restauration im Jahre 1868. Das fast 700 Jahre dauernde Shogunat wurde abgeschafft und der Kaiser übernahm wieder die Macht im Lande. Infolgedessen mussten die Samurai all' ihre Waffen ablegen. Die Wirksamkeit der alten Waffen (Schwerter, Spieße, Bogen usw.) war ohnehin durch die Entwicklung der Feuerwaffen (Gewehre, Pistolen) nicht mehr gegeben.

Judo im modernen Japan

Mit dem Beginn des modernen Japans geriet die waffenlose Selbstverteidigung fast in Vergessenheit. Am Hofe des japanischen Kaisers unterrichtete gegen Ende des 19. Jahrhunderts der deutsche Medizinalrat Erwin Bälz. Ihm fiel die schwache Konstitution seiner Studenten auf, weshalb er ihnen empfahl, zur Stärkung die alten Samuraitechniken zu üben. Diese Geschichte, nach der Bälz letztlich der Auslöser für das Üben der alten Samuraitechniken war, wird oft erzählt, ist jedoch nicht bewiesen. Einer seiner Schüler, der junge Jigoro Kano, übte bei verschiedenen letzten alten Meistern der fast vergessenen Kampfkunst. Aus den dort erlernten Techniken entwickelte er 1882 das moderne Judo, indem er die alten Kriegskünste von allen gefährlichen Elementen befreite. Stöße, Schläge, Tritte und viele Hebeltechniken, insbesondere die Kleingelenkhebel, wurden ersatzlos gestrichen. Die verbleibenden Techniken ermöglichten einen sportlichen Zweikampf, ohne, dass größere Verletzungen zu befürchten waren. Diesen neuen Sport nannte er "Judo" (benannt nach der Jiu-Jitsu Schule Judo). Zu Deutsch: "Sanfter" oder "weicher Weg". Jigoro Kano Er gründete 1882 eine eigene Schule, den "Kodokan" ("Ort zum Studium des Weges", heute in Tokio), an der er seinen neuen Sport lehrte. Auch heute noch ist der Kodokan das "Mekka" des Judo. Judo setzte sich in Japan allerdings erst durch, als die Schüler Kanos im Jahre 1886 einen Kampf zwischen der Kodokan-Schule und der traditionellen Jiu-Jitsu-Schule "Ryoi-Shintoryu" für sich entscheiden konnten. In 30 Kämpfen siegten sie 28-mal. Die anderen beiden Kämpfe gingen unentschieden aus. Aufgrund dieses großen Erfolges verbreitete sich Judo in Japan rasch und wurde bald bei der Polizei und der Armee eingeführt. Es wird behauptet, Kano habe das Judo durchaus als ernstzunehmende Selbstverteidigungskunst inklusive Schlägen und Fußtritten konzipiert (ohne die ein Sieg über "Ryoi-Shintoryu" nicht möglich gewesen wäre). Näheres zu dieser Theorie auf der Seite von [http://www.hamare-judo.de/page.php?id=4&SID=d6862bf23da29ff0cb6a889f7d398b48 Hamare Judo].

Der Weg in den Westen

1906 kamen japanische Kriegsschiffe zu einem Freundschaftsbesuch nach Kiel. Die Gäste führten dem deutschen Kaiser ihre Nahkampfkünste vor. Wilhelm II. war begeistert, und er ließ seine Kadetten in der neuen Kampfkunst unterrichten. Der damals bedeutendste deutsche Schüler war der Berliner Erich Rahn. Noch im gleichen Jahr gründete er die erste deutsche Schule für asiatische Kampfkünste. Damals nannte man diese Techniken noch "Jiu-Jitsu". 1922, nach Ende des 1. Weltkrieges, fanden die ersten Meisterschaften statt, bei denen Erich Rahn Sieger blieb. Es dauerte jedoch noch recht lange, bis die Sportler, in den eigentümlichen weißen Kitteln, endgültig anerkannt wurden. Die ersten Europameisterschaften wurden 1934 in Dresden ausgerichtet. Durch den 2. Weltkrieg wurde die Entwicklung merklich unterbrochen. Bis 1948 war der Judosport sogar durch die Alliierten verboten. Erst 1952 wurde das Deutsche Dan-Kollegium (DDK) als Dachverband sämtlicher Budosportarten in Deutschland und 1953 der Deutsche Judobund gegründet und 1956 vom deutschen Sportbund anerkannt. Bei den Olympischen Spielen in Tokio, 1964, war Judo erstmals als olympischer Sport zu sehen. Bei der Judo-Weltmeisterschaft 1979 in Paris errang Detlef Ultsch als Mitglied der DDR-Nationalmannschaft den ersten Judo-Weltmeistertitel für Deutschland. Heute wird Judo in über 150 Ländern ausgeübt.

Judo Praxis

Ausbildung

Die Judoka tragen eine knöchellange weiße oder blaue Baumwollhose (Zubon) und darüber eine halblange weiße oder blaue Jacke (Uwagi) aus Baumwolle die durch einen farbigen Gürtel (Obi) zusammen gehalten wird (Judo-Gi). An der Gürtelfarbe kann man den Ausbildungsstand des Judoka erkennen. Jeder Anfänger beginnt mit einem weißen Gürtel. Nach entsprechender Trainingszeit kann er eine Prüfung vor einer Prüfungskommision ablegen. Für die erste Prüfung muss der Anfänger zumindest drei Würfe, Falltechniken und verschiedene Kombinationen am Boden zeigen. Der Prüfling demonstriert die Techniken mit dem Partner. Nach abgelegter Prüfung erhält der Anfänger das Recht und die Pflicht den entsprechenden Gürtel zu tragen.

Gürtel

Die Gürtelfarben: Schülergürtel (Kyu) Meistergürtel (Dan)
- schwarz für den 1. bis 5. Dan Großmeistergürtel (Dan)
- rot-weiß für den 6. bis 8. Dan
- rot für den 9. und 10. Dan Ideelle Gürtel
- weiß für den 11. und 12. Dan, aber doppelt so breit wie bei den Schülern Gürtel oberhalb des 5. Dan können nicht durch Ablegen einer Prüfung erreicht werden. Sie werden ausschließlich verliehen. Eine höhere Graduierung als zum 10. Dan ist weltweit nicht möglich! Lediglich Professor Jigoro Kano, dem Begründer des Judo, hat man nach seinem Tode den 11. Dan verliehen. Der 12. Dan ist für Menschen nicht erreichbar. Der Geist, die Idee des Judo soll den 12. Dan tragen. Der weiße Gürtel des 11. und 12. Dan weist darauf hin, dass auch der größte Meister immer noch "nur" ein Schüler ist. Siehe auch: Schwarzgurt

Technik

Die Judo-Techniken lassen sich grob in fünf Grundtypen einteilen: # Wurftechniken # Haltetechniken # Hebeltechniken # Würgetechniken # Falltechniken Der Schwerpunkt des Judo liegt auf sportlicher Ertüchtigung und nicht auf Selbstverteidigung. Jigoro Kano sagte, dass Judo dazu dienen soll, durch das Training von Angriffs- und Verteidigungsformen Körper und Geist zu stärken. Seit dem 01.08.2005 muss zusätzlich in jeder Gürtelprüfung ab dem grünen Gürtel eine Gruppe der [http://de.wikipedia.org/wiki/Kata/J%C5%ABd%C5%8D#Nage-no-kata/ Nage-No-Kata] vorgeführt werden, das ist eine genau vorgeschriebene Abfolge von Bewegungsformen und Techniken, die sehr elegant aussieht. Das Kata-Training führt häufig zu einem noch besseren Beherrschen der jeweiligen Techniken. Es gibt Boden- und Stand-Kata.

Wurftechniken (Nage-waza)

Wurftechniken werden angewandt um den Partner vom Stand in die Bodenlage zu bringen. Es existiert eine Vielzahl von Möglichkeiten dieses Ziel zu erreichen. Dabei reicht die Auswahl vom einfachen Bein stellen (O-sōtō-otoshi) bis hin zu spektakulären Aushebern (Kata-guruma) oder auch dem klassischen Überkopfwurf (Tomoe-nage), der in vielen Hollywood Actionfilmen wiederzufinden ist. Man unterteilt die Techniken in folgende Untergruppen: Koshi-waza (Hüftwürfe) Die eigene Hüfte wird unter den Schwerpunkt (Hüfte) des Partners gebracht. Die Beinstreckung bewirkt den Gleichgewichtsverlust des Partners. Te-waza (Hand- und Armwürfe) Diese Gruppe hat gemeinsam, dass die Wurftechnik ein spezielles Zupacken mit den Händen und werfen ausschließlich mit den Händen (Bsp. Te-guruma). Ashi-waza (Bein- und Fußwürfe) Beinwürfe werden wiederum in Sichel- und Fegetechniken unterschieden. Erstere greifen das Standbein des Partners an und entziehen im so das Gleichgewicht. Bei den Fegetechniken hingegen wird das unbelastete Bein angehoben und dem Partner die Möglichkeit sich mit diesem abzustützen genommen. Yoko-sutemi-waza (Opferwürfe/Selbstfaller zur Seite) Durch die Aufgabe des eigenen Stands erzielt man einen Schwung der sich ausnutzen lässt, um den Partner zu Boden zu werfen. Dabei wirft man den Partner zur Seite. Ma-sutemi-waza (Opferwürfe/Selbstfaller nach hinten) Im Unterschied zu den Yoko-sutemi-waza wird der Partner nicht zur Seite, sondern über den eigenen Körper hinweg geworfen. Des Weiteren werden die Wurftechniken in der Gokyo (den 40 traditionellen Würfen) in 5 Gruppen nach ihrer Komplexität aufgeteilt. Gut ausgeführte Wurftechniken benötigen wenig Kraft zur Ausführung, da sie den Schwung und die Bewegung des Partners geschickt ausnutzen. Ein Kind kann im Prinzip einen Erwachsenen werfen. Aus diesem Grund übersetzt man Judo auch mit den Worten "Der sanfte Weg".

Haltetechniken (Osae-komi-waza)

Mit Haltetechniken wird der geworfene Partner in der Rückenlage am Boden fixiert. Werden sie gut ausgeführt, ist es selbst mit speziellen Befreiungstechniken sehr schwierig, aus diesen zu entkommen. Man teilt die Haltetechniken in vier Gruppen ein: Kesa-gatame, Yoko-shiho-gatame, Kami-shiho-gatame und Tate-shiho-gatame.

Hebeltechniken (Kansetsu-waza)

Hebeltechniken werden im Judo nur auf den Ellenbogen angewandt. Dabei wird kontrolliert Druck auf das Gelenk aufgebracht und zugleich der Partner fixiert. Die Bewegung entgegen der anatomisch vorgesehen Bewegungsrichtung führt zu einem stechenden Schmerz, welcher den Partner zur Aufgabe zwingt. Das signalisiert er durch Abklopfen, also dem Klopfen mit der flachen Hand auf die Matte oder auf den Partner oder durch rufen von:"Maitta", wenn man z.B. keine freie Hand hat. Man unterscheidet zwei Arten von Hebeltechniken: Streckhebel (Gatame-Gruppe) oder Beugehebel (Garami-Gruppe). In anderen Sportarten, z. B. Ju-Jutsu werden Hebel auch gegen die Beine, Handgelenk und Nacken ausgeführt. Aus Sicherheitsgründen ist das beim Judo verboten. Obwohl diese Technikgruppe gefährlich klingt, gibt es dabei keine Verletzungen: Erfahrene Judoka wissen, wie weit sie gehen dürfen - sowohl im Versuch, sich aus einem Hebel herauszuwinden als auch beim Hebeln.

Würgetechniken (Shime-waza)

Bei den so genannten "Würgern" wird mit speziellen Techniken mit den Händen oder den Unterarmen Druck auf die seitlich des Kehlkopfes verlaufende Halsschlagader ausgeübt. Durch die daraus resultierende Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff entsteht beim Gewürgten der Eindruck, zu wenig Luft zu bekommen. Daher werden diese Techniken als Würgetechniken bezeichnet. Auch hier wird durch Abschlagen aufgegeben. Im Wettkampf lassen sich Würger häufig wesentlich schlechter platzieren als Hebel- oder Haltetechniken, da sich der Hals durch das Einziehen des Kopfes, bei gleichzeitigem Hochziehen der Schultern sowie mit den eigenen Händen bzw. Unterarmen gut schützen lässt. Zudem erschweren angespannte Halsmuskeln die gewünschte würgende Wirkung. Und sollte über das Kinn gewürgt werden, wird der Kampf sofort vom Kampfrichter unterbrochen.

Falltechniken (Ukemi-waza)

Um sich bei den Würfen nicht zu verletzen, müssen alle Judoka Falltechniken erlernen. Dabei werden Methoden geübt, so zu fallen, dass man sich dabei nicht verletzt. Fallen wird nach allen Seiten trainiert: Seitwärts, rückwärts und nach vorne. Die Falltechnik vorwärts ist auch als "Judorolle" bekannt. Träger höherer Gürtelgrade trainieren sie als "freien Fall" in der Luft. Ähnliche Falltechniken finden sich bei allen anderen Kampfsportarten, die Wurftechniken kennen, wieder. Häufig sind nur Details, wie z.B. das anschließende Aufstehen oder die Art und Weise, sich nach dem Fall vor weiteren Angriffen des Partners zu schützen anders. So stehen Judoka bei der Fallschule vorwärts in Laufrichtung auf, Ju-Jutsuka aber drehen sich noch im Aufstehen herum, um den Angreifer sofort wieder im Blick zu haben.

Wettkampf (Shiai)

Die Kämpfe werden auf einer quadratischen Matte von in der Regel 8x8 Metern ausgetragen. Der Wettkampf wird durch einen Matten(kampf)richter und zwei zusätzliche Kampfrichter (=Außenrichter) bewertet, die an den gegenüberliegenden Ecken der Kampffläche sitzen. Die Kampfzeit beträgt für Frauen und Männer fünf Minuten (bis U20 4 min, bis U17 3 min). Wenn es nach der vorgegebenen Zeit noch Unentschieden steht, wird seit einigen Jahren bis zum Goldenen Punkt (jede Wertung - auch Koka - führt in der Überzeit zum Sieg) weiter gekämpft. Für die ausgeführten Techniken und Aktionen der beiden Wettkämpfer kann der Kampfrichter vier verschiedene Bewertungen oder Bestrafungen vergeben. Die Wertungen sind Ippon (voller Punkt), Waza-ari (halber Punkt), Yuko (technischer Vorteil) und Koka (kleiner technischer Vorteil). Nach der neuen Wettkampfordnung gibt es nur noch die Strafwertung Shido und Hansokumake. Beim vierten Aussprechen der Strafe Shido erfolgt die Disqualifikation durch Hansokumake, das heißt vier Shidos entsprechen einem Hansokumake. Bei der Vergabe der höchsten Wertung (Ippon) oder der höchsten Bestrafung (Hansokumake) wird der Kampf (ähnlich wie bei einem KO beim Boxen) vorzeitig abgebrochen. Erhält ein Kämpfer ein direktes Hansokumake (d.h. nicht als viertes Shido), wird er zusätzlich aus dem aktuellen Wettkampf ausgeschlossen (Ausnahme: Hansokumake für Eintauchen wird zum eigenen Schutz des Kämpfers ausgesprochen und der Kämpfer nicht aus dem Wettkampf entfernt). Ein Ippon (voller Punkt) wird vergeben, wenn einer der Kämpfer schnell und in guter Technik auf den Rücken geworfen wird, er bei einem Hebel oder einem Würger aufgibt oder 25 Sekunden auf dem Rücken liegend ohne Befreiungsmöglichkeit festgehalten wird. Die anderen Wertungen werden entsprechend vergeben, wenn die Ausführung des Wurfes nur teilweise erfolgreich war (weniger Schwung, nur teilweise auf den Rücken bzw. auf das Gesäß geworfen usw.). Für die Dauer einer Haltetechnik gelten zudem folgende Bewertungen:
- 10 bis 14 Sek. --> Koka,
- 15 bis 19 Sek. --> Yuko,
- 20 bis 24 Sek. --> Waza-ari
- Ab 25 Sek. --> Ippon Andere Kampfwertungen: :Koka: in anderen Systemen : 3 Punkte :Yuko: in anderen Systemen : 5 Punkte :Waza-ari: 1/2 Punkt : in anderen Systemen : 7 Punkte :Ippon: 1 Punkt (Sieg) : in anderen Systemen : 10 Punkte Bemerkungen: Eine höhere Wertung übertrifft immer niedrigere Wertungen. So übertrifft ein Waza-ari immer eine beliebige Zahl an Yuko oder Koka. Ein Yuko übertrifft immer eine beliebige Zahl an Koka. Allein ein zweiter Waza-ari führt immer zu einem Ippon (waza-ari awasete ippon) und damit zu einem vorzeitigen technischen Sieg. Alle anderen Wertungen können nicht zusammen gezählt werden - d.h. ein Koka bleibt auch nach dem 10. Koka ein Koka und kann nie zu einem Yuko werden. Für Kinder und Jugendliche gelten modifizierte Regeln.

Judo in Deutschland

In Deutschland gibt es einen nationalen Judobund (Deutscher Judobund). Diesem wiederum unterstehen die 18 Judolandesverbände. Die Landesverbände organisieren die regionalen Meisterschaften und stellen die regionalen Kampfrichter- und Gürtelprüfungsordnungen. Gleichzeitig gibt es das Deutsche Dan-Kollegium (DDK), welches ein Jahr vor dem Judobund als Vereinigung der Dan-Träger gegründet wurde. Das DDK wurde 1956 Mitglied im Deutschen Judo-Bund und war mit der Durchführung von Graduierungen sowie mit Lehraufgaben betraut. In dieser Eigenschaft war es vom Kodokan anerkannt und - bereits bei seiner Gründung - ausdrücklich mit dem Graduierungsrecht ausgestattet. 1982 wurde der Vertrag zwischen dem Kodokan und dem DDK erneuert und damit weiterhin dem DDK das Graduierungsrecht im Bereich des deutschen Judos zugeteilt. Anfang der 90er Jahre gab es eine gerichtliche Auseinandersetzung um das Graduierungsrecht innerhalb des Deutschen Judo-Bundes. Kernpunkt des Streites war die Frage, ob es sich im Falle der Graduierung um ein kündbares Auftragsverhältnis oder ein nach dem BGB nicht widerrufbares Sonderrecht des DDKs in seiner Eigenschaft als DJB handelt. Nachdem gerichtlich festgestellt wurde, dass es sich nicht um ein Sonderrecht, sondern um einen Auftrag handelte, entzog der Deutsche Judo-Bund dem DDK die Zuständigkeit für das Prüfungswesen. Fortan wurde die Zuständigkeit für Graduierungen in die Landesverbände des DJB gegeben, wo sie bis heute ist. Die zeitgleiche Entwicklung einer neuen Prüfungsordnung erfolgte trotz gelegentlich anders lautender Ansichten nicht aufgrund dieser Auseinandersetzung, sondern im Zuge der Vereinigung des Deutschen Judo-Bundes mit dem Judo-Verband der DDR. Das DDK begann nach dieser Veränderung auch Vereine als Mitglieder aufzunehmen (bis dahin konnten nur Judoka Mitglied des DDK sein, die gleichzeitig einem Mitgliedsverein des Judobundes angehörten) und positionierte sich damit als Konkurrenzverband zum Judobund. Dies führte zwangsläufig zum Ausschluss des DDK aus dem Judobund. Seitdem gibt es also zwei getrennte Verbände in Deutschland. Allerdings ist nur der Deutsche Judo-Bund im Deutschen Sportbund organisiert und nur der Deutsche Judo-Bund wird vom Kodokan als nationaler Verband mit entsprechendem Graduierungsrecht anerkannt. Das Generalsekretariat der Europäischen Judounion hat seinen Sitz auf Malta. In den 1980er Jahren galt Judo als Modesport, der mittlerweile durch andere stark verdrängt wird. Oft wird dieser Sport auch mit Tritten und Schlägen in Verbindung gebracht, obwohl diese Sportart nichts damit zu tun hat; denn Judo ist keine Selbstverteidigungssportart. Die Tradition des Judo hat in Deutschland die letzten 50 Jahre überlebt und wird es auch weiter tun, wie neuliche Erfolge der Wettkämpfer Udo Quellmalz und Florian Wanner gezeigt haben. Aufgrund seiner Vielfältigkeit wird das Judo unserem Kulturschatz erhalten bleiben.

Judo in Österreich

In Österreich wird das Judo durch den Österreichischen Judoverband vertreten. Ihm gehören sämtliche kleinere Ortsgruppen an. Das größte Trainingszentrum wie auch größte örtliche Judoverein befindet sich in Innsbruck. Der erfolgreichste österreichische Judoka ist Peter Seisenbacher. Er ist mehrfacher österreichischer Staatsmeister und war vor allem in den 80ern bei vielen internationalen Turnieren sehr erfolgreich. Zudem war er Sportler des Jahres 1984 und 85. Er trug zudem auch maßgeblich zur Verbreitung des Judo in Österreich bei.

Literatur


- George Glass: Judo. Copress, München, 1990, ISBN 3-7679-0315-6
- Wolfgang Weinmann: Das Judo-Brevier: Leitfaden für Technik und Prüfung. Weinmann Verlag, Berlin, 1997, ISBN 3-87892-020-2
- Mahito Ohgo: Judo. Grundlagen – Methodik. Falken, Niedernhausen, ISBN 3-8068-0305-6
- Wolfgang Weinmann: Die Judo Wurftechnik. Gokyo. Weinmann Verlag, Berlin, 1992, ISBN 3-87892-001-6
- Wolfgang Weinmann: Die Judo Bodentechnik. Katame-Waza. Weinmann Verlag, Berlin, 1992, ISBN 3-87892-002-4
- Wolfgang Weinmann: Kombinationen und Kontertechnik im Judo-Kampf. Weinmann Verlag, Berlin, 1990, ISBN 3-87892-003-2
- Ralf Pfeifer: Mechanik und Struktur der Kampfsportarten. Handbuch für Trainer in Kampfsport und Kampfkunst. Dissertation an der Deutschen Sporthochschule Köln, Verlag Sport & Buch Strauß, Köln, 2004, ISBN 3-89001-243-4 (allerdings mit dem Schwerpunkt auf Schlag- und zugehörigen Abwehrtechniken, die nicht Bestandteil des Judo sind)

Siehe auch


- Fallschule
- Liste der Judoka
- Liste der Kampfsportarten
- Gokyo

Weblinks


- [http://www.dschiu-dschitsu.de/ Geschichte des Jiu Jitsu/Judo in Europa]
- [http://www.judobund.de Deutscher Judo-Bund]
- [http://www.ddk-ev.de/ Deutsches Dan-Kollegium]
- [http://www.sjv.ch/ Schweizerischer Judo Verband]
- [http://www.oejv.com/ Österreichischer Judo Verband]
- [http://www.europejudo.com Europäische Judo Union]
- [http://www.ijf.org Internationale Judoföderation]
- [http://www.judo-praxis.de Judo-Praxis.de Viele Artikel, vorwiegend zu Breitensportaktivitäten im DJB]
- [http://www.ippon.org Ippon.org: Ergebnisse Internationaler Meisterschaften - sehr gut aufbereitet]
- [http://www.friedrichshainer-budo-club.de/geschi-wettkampf.html Judo-Wettkampfgeschichte]
- [http://www.sport-komplett.de/sport-komplett/sportarten/j/judo/_historie.htm Ergebnisse der Judomeisterschaften]
- [http://www.judoinfo.com www.judoinfo.com - Sehr reichhaltige, englische Judosite] Kategorie:Kampfsport Kategorie:Kampfkunst (Japan) Kategorie:Wegkunst ! ja:柔道 ko:유도 ms:Judo

Zen

Zen-Buddhismus oder Zen (jap.: 禅 – Zen) ist eine in China ab dem 5. Jahrhundert nach Christus entstandene Linie des Mahayana-Buddhismus, die wesentlich vom Daoismus beeinflusst wurde. Der chinesische Name 禅 (Chan) stammt von dem Sanskritwort Dhyana (ध्यान), das in das Chinesische als 禅那 (Chan'na) übertragen wurde. Dhyana bedeutet frei übersetzt soviel wie „Versenkung“. Ab dem 12. Jahrhundert gelangte Zen auch nach Japan und erhielt dort eine neue Ausprägung, die dann in der Neuzeit auch in den Westen gelangte. Die verwendeten Begriffe zum Zen stammen daher meistens aus dem Japanischen. Darüber hinaus gibt es auch noch eine koreanische (Seon, Hangeul 선) und vietnamesische (Thiền) Tradition.

Was ist Zen?

Eine Frau fragte: „Was ist Zen?“ Ein alter chinesischer Meister antwortete: „Das Herz des Fragenden ist Zen.“
„Was ist Zen?“ gehört zu jenen seltenen Fragen, die aus prinzipiellen Gründen nicht sinnvoll beantwortet werden können. Die Antwort kann nur individuell-intuitiv erfasst werden. Sie wird bloß von jenen vollständig verstanden, die sie bereits erkannt haben. Allgemein kann man sagen, dass Zen eine besondere Erkenntnis oder Einsicht bezeichnet, die mit einer bestimmten grundsätzlichen Lebensweise und -haltung verbunden ist. Die Wurzeln des Zen liegen zwar im Buddhismus, doch ist es nach Meinung vieler Zen-Meister nicht an eine bestimmte Religion oder Weltanschauung gebunden. Der Kern des Zen übersteigt – wie es mystischen Bewegungen eigen ist – alle religiösen und philosophischen Systeme. Jeder Mensch kennt „Zen-Momente“. Es sind Augenblicke wie etwa die völlige Versenkung in eine spannende Tätigkeit, das Aufgehen in einer Menschenmasse (z.B. in einer Festgemeinschaft) oder das gänzliche Aufgesogensein durch eine Wahrnehmung (z.B. während des Hörens von Musik). Die westliche Psychologie spricht vom Flow-Erlebnis, doch fehlt in diesem Konzept noch das Moment der aufmerksamen (Selbst-)Beobachtung und durchgängig simultaner (Selbst-)Wahrnehmung von innerer und äußerer Welt. Zen könnte man auch als „Unkonditioniertheit des Augenblicks“ bezeichnen. Zen schenkt dem Augenblick das höchste Maß an Lebenssinn. Nur dort findet das Leben statt, und verlieren Zukunft und Vergangenheit ihren gedanklichen Einfluss: sie existieren beide einfach eben nicht (mehr). Im erlebten Augenblick gibt es kein „Ich“ und somit ist der Augenblick nicht gestört von aufkommenden Gedanken oder Gefühlen: Zen ist „nicht (ich) sein“. Zen ist eine Kunst der Lebensführung, eine Lebenssuche in jedem Atemzug. Je mehr ein Mensch im Augenblick der Gegenwart lebt, desto eher findet er seinen seelischen Frieden.

Lehre

„Ich würde gerne irgendetwas anbieten, um Dir zu helfen, aber im Zen haben wir überhaupt nichts.“ – Ikkyû Sôjun
Oft wird gesagt, dass Zen überhaupt „nichts“ bietet: keine Lehre, kein Geheimnis, keine Antworten, keine Lösung. Zwar ist eine solche Behauptung (wenigstens für den einzelnen Übenden) völlig richtig, andererseits stellt sie eine Verkürzung der Tatsachen dar, die besonders in einem speziellen Kontext gegenüber Praktizierenden verwendet wird. In anderen Zusammenhängen wird häufig genau das Gegenteil behauptet: Zen biete alles, das „ganze Universum“. Zen offeriert tatsächlich in dem Sinne „nichts“, als dass es einfach nur das Gewöhnlichste, Alltäglichste und Normalste der Welt ist, das Leben zu leben – in seiner ganzen Fülle. Zugleich enthält es die Aufhebung der Trennung von Innenwelt und Außenwelt, also „alles“. Der unmittelbare Zugang zu diesem Einfachsten von allem ist dem Verstandeswesen Mensch jedoch versperrt – es scheint so, als ob die niemals schweigende Stimme der Gedanken ihn durch hartnäckige Ideen und urteilende Vorstellungen blockiert. Stattdessen verursacht die permanente Beschäftigung mit sich selbst, die schützende Ich-Bezogenheit jedes einzelnen immer wieder nur neues Leiden (Dukkha). Zen kann die Verwirrung lösen – zuletzt vermag man sogar zu essen, wenn man hungrig ist, zu schlafen, wenn man müde ist. Zen ist nichts Besonderes. Es gibt kein Ziel, welches zu erreichen wäre. Natürlich hat Zen aber auch philosophisch-religiöse Aspekte und historisch gewachsene Lehren, wie etwa in der Sōtō- bzw. Rinzai-Richtung. Diese kann man – wenn sie auch zur subjektiven Erfahrung des Zen nicht unbedingt notwendig sind – selbstverständlich mit Worten beschreiben. Auch wenn Intellektuelle und Wissenschaftler sich von Zen angezogen fühlen, ist es seinem Wesen nach doch transrational bzw. arational, so dass es von diesen oft als Logos-feindlich und „irrational“ empfunden wird. Es widersetzt sich grundsätzlich jeder begrifflichen Bestimmung. Das scheinbar Mysteriöse des Zen rührt allein aus den Paradoxa, die der Versuch des Sprechens über Zen hervorbringt (vgl. Wittgensteins Schweigen).

Praxis

::::„Zen ist nicht etwas Aufregendes, sondern Konzentration auf deine alltäglichen Verrichtungen“Shunryu Suzuki Zen ist der weglose Weg, das torlose Tor. Die dem Zen zugrundeliegende große Weisheit (Prajna) braucht nicht gesucht zu werden, sie ist immer schon da. Vermöchten die Suchenden einfach nur ihre permanenten Anstrengungen aufzugeben, die Illusion der Existenz eines „Ich“ aufrechtzuerhalten, würde sich Prajna unmittelbar einstellen. Realistisch gesehen ist das Beschreiten des Zen-Wegs jedoch eines der schwierigeren Dinge, die in einem menschlichen Leben unternommen werden können. Den Schülern wird die Bereitschaft zur Aufgabe ihres selbstbezogenen Denkens und letztlich des Selbst abverlangt. So dauert der Übungsweg gewöhnlich mehrere Jahre, bevor die ersten Schwierigkeiten überwunden sind. Der Weg ist allerdings stets zugleich auch das Ziel, im Üben ist die Erfüllung stets gegenwärtig. Primäre Aufgabe des Zen-Schülers ist die fortgesetzte, vollständige und bewusste Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments, eine vollständige Achtsamkeit ohne eigene urteilende Beteiligung (Samadhi). Diesen Zustand soll der Zen-Schüler nicht nur während des Zazen, sondern möglichst in jedem Augenblick seines Lebens beibehalten. Auf diese Weise kann sich die Erkenntnis der absoluten Realität einstellen (Satori). Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird aufgehoben; die Kontingenz der eigenen Existenz, das In-die-Welt-geworfen-Sein kann angenommen werden. Vollkommene innere Befreiung ist die Folge: es gibt nichts zu erreichen, nichts zu tun und nichts zu besitzen. Methoden Mit der Zeit haben Zen-Meister verschiedene Techniken entwickelt, die den Zen-Schülern Hilfen bieten und Fehlentwicklungen vorbeugen sollen. Die Schulung der Aufmerksamkeit und der absichtslosen Selbstbeobachtung stehen dabei an erster Stelle; daneben wird das (ver)störende diskursive Denken an einen Endpunkt gebracht. Im eigentlichen Sinne gelehrt werden kann Zen nicht. Es können nur die Voraussetzungen für spontane, intuitive Einsichten verbessert werden. Zu den gebräuchlichen Methoden der Zen-Praxis gehören Zazen (Sitzmeditation), Kinhin (Gehmeditation), Rezitation (Textlesungen), Samu (konzentriertes Tätigsein) und das Arbeiten mit Koans. Besonders intensiv werden diese Methoden während mehrtägiger Übungsperioden oder Klausuren (Sesshin bzw. Retreat) geübt. Der Zen-Schüler muss zumindest das Zazen in sein alltägliches Leben integrieren, denn Zen ist seinem Wesen nach immer nur Praxis. Ziele Indem während des Übens die Flut der Gedanken zur Ruhe kommt, wird das Erleben von Stille und Leere, Shunyata, möglich. Shunyata Vor allem im Rinzai-Zen wird die mystische Erfahrung der Erleuchtung (Satori, Kenshō), ein oft plötzlich eintretendes Erleben universeller Einheit, d.h. die Aufhebung des Subjekt-Objekt-Gegensatzes, zum zentralen Thema. In diesem Zusammenhang ist oft von „Erwachen“ und „Erleuchtung“ (pali/sanskrit: Bodhi), vom „Buddha-Werden“, oder der Verwirklichung der eigenen „Buddhanatur“ die Rede. Diese Erfahrung der Nicht-Dualität ist der sprachlichen Kommunikation kaum zugänglich und kann auch einer Person ohne vergleichbare Erfahrung nicht vermittelt werden. So ist es im Zen mehr als unüblich, darüber mit einer anderen Person als dem Zen-Lehrer zu sprechen. Im Sōtō-Zen tritt die Erleuchtungserfahrung völlig in den Hintergrund. Zum zentralen Begriff von Zen-Praxis wird Shikantaza, „einfach nur sitzen“, d.h. die absichtslose, nicht auswählende Aufmerksamkeit des Geistes in Zazen, ohne einem Gedanken zu folgen oder ihn zu verdrängen. Zazen wird im Sōtō also nicht als Mittel zum Zweck der Erleuchtungssuche verstanden, sondern ist selbst Ziel und Endpunkt. Das große Koan des Sōtō-Zen ist die Zazen-Haltung selber. Zur Verwirklichung dieses absichtslosen Sitzens zentral ist Hishiryo, das Nicht-Denken, d.h. das Hinausgehen über das gewöhnliche, kategorisierende Denken. Dōgen schreibt im Shobogenzo Genjokoan dazu folgende Passage: :„Den Weg zu studieren heißt sich selbst zu studieren, sich selbst zu studieren heißt sich selbst vergessen. Sich selbst zu vergessen bedeutet eins zu werden mit allen Existenzen.“

Ethik des Zen

Zen besitzt auch eine eigene Ethik. In ihrem Mittelpunkt steht die Einsicht, dass wir anderen nur helfen können, wenn wir uns selbst befreit haben (analog zu den Konsequenzen aus dem christlichen „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“). Die Zuwendung zu anderen Lebewesen in sorgender Liebe (Agape) und Solidarität ist dabei allerdings niemandem – keinem Gott, keinem Buddha, keiner Offenbarung oder Lehre- geschuldet, sondern erwächst aus der inneren Einsicht, die durch die Fortschritte in der Zen-Praxis reift, von selbst. Wenn der Zen-Praktizierende zu begreifen beginnt, dass alles im Kosmos miteinander in Verbindung steht, wird offensichtlich, dass keine real existierende Grenze zwischen dem einzelnen Übenden und allen anderen Menschen besteht. Hieraus folgt die Einsicht, dass jede schädigende, aber auch jede helfende Handlung letztlich auf den Verursachenden zurückfällt. Die Ethik des Zen-Buddhismus kann also als „pragmatischer Altruismus“ charakterisiert werden. Da im Zen Dualismen wie gut/böse oder falsch/richtig abgelehnt werden, kann es auch keine allgemein verbindlichen Vorschriften oder Gebote geben, auch wenn sich die Mönche in der Regel freiwillig zu solchen verpflichten (Kai). Die einzige gültige Maxime ist die allgemeine Förderung des Lebens, oder umgekehrt: die Vermeidung des Tötens. Eine große Rolle spielt dabei Mitgefühl und Mitleid mit den Mitgeschöpfen. Die Zen-Praxis hat das Wohl aller fühlenden Wesen im Blick, in einem Gelübde heißt es: „Wie zahlreich auch immer die fühlenden Wesen sein mögen, ich gelobe, sie alle zu retten.“
Andererseits ging aus der Zen-Kultur die japanische Kunst der Kriegführung, das Bushido der feudalistischen Samurai, hervor. Im übrigen pflegt Zen eine Situationsethik, die immer nur im real eintretenden, konkreten Fall entscheidet. Sie bürdet dem Handelnden damit eine große Verantwortung auf. Auch sonst liegt der Schwerpunkt des Handelns in der Interaktion mit anderen Individuen – ein gesellschaftspolitisches Engagement wird zumeist eher ablehnend beurteilt: wer die Welt retten will, sollte zuerst mit sich selbst beginnen und danach seinem Nachbarn helfen. Diese Haltung führt dazu, dass Zen ab und zu quietistische, eskapistische und politisch-konformistische Tendenzen vorgehalten werden.

Geschichte

Das Zen, wie wir es heute kennen, ist von vielen Kulturen über anderthalb Jahrtausende beeinflusst und bereichert worden. Seine Anfänge sind im Indien des 5. Jahrhunderts vor Christi Geburt zu suchen, mit dem Beginn des Buddhismus. Diese neue Strömung hat eine Reihe Parallelen zum Yoga. Nachdem Bodhidharma der Legende nach im 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung die Lehre des Zen nach China brachte, sind Elemente des Daoismus mit eingeflossen. Die für Zen typischen Elemente der Lehre sind in China entstanden. Eine Vielzahl von Schriften mit Gedichten, Anweisungen, Gesprächen und Koans stammt aus dieser Zeit. Aus diesem Grunde findet man viele Begriffe heute sowohl in chinesischer als auch japanischer Bezeichnung. Das erste nachweisbare Schriftstück ist das Shinjinmei von Meister Sosan aus dem 7. Jahrhundert. Die Überbringung der Lehre durch Dogen nach Japan im 13. Jahrhundert hat wiederum Elemente des Shintoismus einfließen lassen. Im 19. und besonders im 20. Jahrhundert erreichte das japanische Zen Europa und Amerika und wurde ebenfalls erweitert und verknüpft mit christlichen Lehren u. a.

Ursprung

Der Lege